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18. JAHRHUNDERT
Photo: Stadtarchiv Innsbruck
Ansicht des Dorfes, wie es im frühen 18. Jahrhundert (nach der Errichtung der Kalvarienberg-Kirche 1664/65 und vor dem Kirchenumbau 1735/37) ausgesehen hat; Näheres zu dieser Dorfansicht gibt es hier.

Um 1740 löste sich Mühlau von Arzl und wurde zur eigenen Dorfgemeinde, wohl eine Folge der schon seit längerem zu beobachtenden unterschiedlichen Entwicklung der beiden Dörfer. Die stärkere landwirtschaftliche Ausrichtung von Arzl zeigt sich darin, daß der weit größere Teil des ehemals gemeinsamen Wald- und Almbesitzes bei Arzl blieb.

Die Gemeindeverwaltung läßt sich für diese Zeit recht gut rekonstruieren. Sie  war noch wenig reguliert: an der Spitze stand ein Dorfmeister, ihm zur Seite ein Dorfschreiber, ein Kirchpropst, ein Mesner, ein Flurhüter, ein Holzrieger und ein Bachmeister, nach Einführung der Schulpflicht noch der Schulmeister. Das wesentliche Organ war die Gemeindeversammlung („Ehaft-Taiding“), bei der die genannten Amtspersonen gewählt und die wichtigen Beschlüsse gefasst wurden. Seitens der Obrigkeit gab es kaum regulierende Einmischungen ins Gemeindegeschehen, vorausgesetzt, es wurde für Ruhe, Ordnung und regelmäßige Zahlung von Steuern und Abgaben gesorgt. Die Versammlung tagte in Arzl übrigens nicht wie an vielen anderen Orten im Freien auf einem „Spieltennen“ genannten Platz, sondern im Wirtshaus.

In dieser Zeit (1735-37) wurde die St. Johannes-Kirche noch einmal grundlegend umgebaut: unter der Leitung des Priesterarchitekten Franz de Paula Penz, der damals Provisor in Thaur war, wurde einerseits der alte romanische Chor, der in die gotische Kirche übernommen worden war, abgetragen und ein wesentlich größerer angebaut, andererseits die Kirche im Westen um zwei Joche erweitert. Durch die Vorlage der Quaderpfeiler wurde auch der übernommene Teil des gotischen Kirchenschiffes dem barocken Erscheinungsbild angepaßt, im Inneren ein neues, barockes Gewölbe eingezogen und ein neuer Altar angeschafft. Der einzige Bauteil, der bei diesem Umbau – wohl aus Gründen der Sparsamkeit - sein altes gotisches Erscheinungsbild beibehielt, war der Kirchturm. Sein gotisches Spitzdach fiel erst der größten Katastrophe, die Arzl im Lauf seiner Geschichte traf, zum Opfer, nämlich dem großen Dorfbrand.

Der Dorfbrand von 1756

Dieser brach am 12. Oktober 1756 - angeblich im ersten Hause rechts von Mühlau her (wohl Arzler Straße 186) - aus und griff, angefacht durch einen heftigen Westwind, so schnell um sich, dass trotz allen Bemühungen der Ortsbewohner und schnell herbeigeeilter Hilfe von auswärts ein Großteils des Dorfes vom Feuer erfasst wurde; über vierzig Häuser, dazu Scheunen und Stallungen, brannten und nur wenige Höfe im oberen Dorfteil sollen verschont geblieben sein. Im Wesentlichen waren wohl nur die Dächer und Holzbauteile der Obergeschoße sowie reine Holzbauten schwer betroffen, während die gemauerten Teile der Häuser weniger stark geschädigt wurden. Auch Tote waren nicht zu beklagen. Der wirtschaftliche Schaden allerdings war bedeutend, neben den Schäden an den Gebäuden war schließlich auch der Verlust der gesamten Jahresernte zu beklagen. Arzl erhielt zwar durch Brandsteuer und Spenden selbst aus entfernteren Gegenden (z.B. den Dekanaten Fügen, Flaurling, Imst, Matrei, Stilfes, Girlan und Klausen) beachtliche Hilfszahlungen von über 1500 Gulden, aber die Klagen, das Dorf sei wegen der erlittenen Schäden arm, halten durch Jahrzehnte an. Die schlimmsten Mängel an den Gebäuden konnten offenbar schnell beseitigt werden: mehrere noch erhaltene Bundwerkgiebel (z.B. „Schöpf“ Arzler Straße 186, „Wachenhauser“ Franz-Wach-Gasse 4, „Kerschbuacher“ Eggenwaldweg 18) sind 1757 datiert und auch der Kirchturm wurde schon bald mit dem heutigen barocken Turmhelm wiederhergestellt. (Übrigens dauert es nach dem verheerenden Brand noch über 130 Jahre, ehe man sich zu einer organisierten Feuerwache und Feuerbekämpfung entschließt: erst 1889 beschließt die Gemeindevorstehung eine Feuerwachordnung und ab 1894 erscheint eine Arzler Feuerwehr in den Ratsprotokollen.)


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