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20. JAHRHUNDERT SEIT DER
EINGEMEINDUNG 1940

Schäden im II. Weltkrieg

Mit zunehmend ungünstigerem Kriegsverlauf hatten auch Arzl und die Arzler Bevölkerung zu leiden. Offenbar überzeugt von der eigenen Unbesiegbarkeit hatte es das Regime lange verabsäumt, für angemessenen Schutz der Zivilbevölkerung zu sorgen. Nach den ersten schweren Luftangriffen im Winter 1943 wurden dann in aller Eile Luftschutzstollen angelegt, so für die Arzler Dorfbevölkerung einer nördlich des Helfentalweges. Dazu kamen kleinere, teils privat angelegte Stollen, die an verschiedenen Stellen mit meist geringer Tiefe in den Hang vorgetrieben wurden (z.B. in der Lehmgrube, Zwischen-Bergen, am Canisiusweg).


Eingang zum Luftschutzstollen nördlich des Helfentalweges
Zustand März 2002

Die unmittelbaren Kriegshandlungen, vor allem die Bombenangriffe, wirkten sich allerdings auf Arzl wegen der Entfernung von den Verkehrs- und Versorgungszentren der Stadt weit weniger als auf andere Stadtteile aus: von 311 Gebäuden im Bereich der Katastralgemeinde blieben 246 (= 79,1%) unbeschädigt zum Vergleich: in Wilten, dem am schwersten betroffenen Stadtteil, waren es nur 8,3%, in Pradl 20,6% - und von den 65 beschädigten fiel nur ein einziges in Neu-Arzl in die Gruppe der Schwerbeschädigten. Die Bombeneinschläge konzentrierten sich auf einer Linie etwa im Bereich des Hangabbruches zur Au und ungefähr parallel zur Eisenbahnstrecke, der sie wohl auch hauptsächlich galten.
Von den Einquartierungen von Flüchtlingen und Besatzungstruppen nach dem Krieg war die im alten Schulhaus aus ortsgeschichtlicher Sicht insofern die folgenreichste, als ihr das gesamte Schularchiv zum Opfer fiel.
Der östlichste Teil von Arzl, nämlich das Tal Englizein und der Arzler Anteil an Hoch-Rum, waren bis 1955 Teil des amerikanischen (zeitweilig französischen) Militärlagers "Camp Rum". Nach dem Staatsvertrag von 1955 wurde dieses geräumt und sein östlicher, großteils auf Rumer Gebiet liegender Teil verbaut, der westliche aber wird seither wieder landwirtschaftlich genutzt.


Erste Ausbauphase des Militärstützpunktes im Bereich Englizein  / Hoch-Rum


Größte Ausdehnung von "Camp Rum"


Einer der wenigen Reste von Camp Rum:
Wiederverwendete Pfähle in Englizein

Arzl nach 1945

Nach dem Krieg wurde das Problem der Arzler Eingemeindung noch einmal aufgegriffen: seitens der Tiroler Landesregierung wurde beschlossen, über die Eingemeindung von Arzl noch einmal abstimmen zu lassen. Der Zeitpunkt für diese Abstimmung übrigens die erste Volksabstimmung im Nachkriegsösterreich war vielleicht insofern nicht ganz günstig gewählt, als angesichts der zahlreichen Probleme der Zeit viele Leute andere und drängendere Sorgen hatten als die, ob Arzl wieder eine eigene Gemeinde werden solle, und manche etwa wegen Kriegsgefangenschaft an der Abstimmung ohnehin nicht teilnehmen konnten.
So etwas wie eine breitere öffentliche Diskussion über die Frage der Wieder-Ausgliederung von Arzl aus der Gemeinde Innsbruck hat nicht stattgefunden.
Der nebenstehende Zeitungsausschnitt (Tiroler Tageszeitung vom 4. Okt. 1946; Stadtarchiv Innsbruck) zeigt einen der wenigen Hinweise in der zeitgenössischen Presse.
Daß nicht nur die - zu Recht - immer wieder beklagte Papierknappheit der Zeitungen für die zurückhaltende Behandlung des Themas verantwortlich gewesen sein mag, dürfte die Tatsache zeigen, daß sich für vorbildliche Hausgehilfinnen, ehewillige Wildbachverbauer und wackere Achtzigjährige durchaus Papier fand.
Jedenfalls sprach sich die Mehrheit der Abstimmungsteilnehmer sowohl im Bezirk Arzl-Dorf als auch im Bezirk Neu-Arzl für die Beibehaltung des gegenwärtigen Zustandes, also den Verbleib bei Innsbruck aus. Das Stimmenverhältnis war allerdings deutlich verschieden: bei einer Wahlbeteiligung von jeweils etwa 60% in beiden Stimmbezirken stimmten in Arzl-Dorf von 565 Teilnehmern 370 (= 65,5%) für den Verbleib bei Innsbruck, in Neu-Arzl dagegen 195 von 212 (= 92%). So blieb Arzl Teil der Stadtgemeinde Innsbruck.

Entwicklung ab 1960

Unter anderen politischen Vorzeichen, aber mit der gleichen Wirkung setzte mit der wirtschaftlichen Erholung des Landes dann auch das ein, was mit der Eingemeindung beabsichtigt worden war: nahezu der ganze im Talboden gelegene Teil der Katastralgemeinde Arzl wurde verbaut, wobei das erste Großprojekt die Errichtung des ersten Olympischen Dorfes für die Winterspiele 1964 war. Zwischen Juli 1961 und November 1963 wurden acht Hochhäuser mit 689 Wohnungen errichtet, für die Olympischen Winterspiele von 1976 wurden noch einmal Bauten mit 642 Wohnungen errichtet, dazu kamen im Laufe der Jahre entsprechende Infrastrukturbauten und zum kleineren Teil Privatbauten, so dass hier ein eigener Stadtteil entstanden ist, der sich ganz vom Dorf am Hang gelöst hat: Gründe dafür sind die ganz andere Bevölkerungsentwicklung und die Tatsache, dass alle Verkehrswege zum Stadtzentrum gerichtet sind, während die Haller Straße samt Gewerbegebiet und die Bahnlinie eine klare Grenze zum Dorf am Hang bilden. Dass Neu-Arzl und das Olympische Dorf mittlerweilen als eigener Stadtteil gelten, ist die naheliegende Folge dieser Entwicklung.
Weniger von spektakulären Großbauprojekten geprägt, im Ergebnis aber zum Teil nicht sehr viel anders ist die Verbauung nördlich der Bahnlinie. Die unverbauten Flächen beschränken sich auch hier mittlerweilen auf einen teils recht schmalen Felderstreifen nördlich des Dorfes zum Wald hin und auf das noch verhältnismäßig große freie Areal süd- und westlich des Kalvarienberges bis zur Bahnlinie bzw. zur Gemeindegrenze mit Rum.
Die Verbauung beschränkt sich in den statistischen Bezirken Arzl-Dorf und Arzl-West fast ausschließlich auf Wohnbauten, das Gewerbe spielt eine deutlich untergeordnete Rolle, auch die Landwirtschaft ist deutlich im Rückgang: die Zahl der Vollerwerbsbauern nimmt stetig ab und die für die 70er und 80er Jahre gemachte Beobachtung, dass viele bäuerliche Betriebe eher von der Substanz, das heißt vom Grundverkauf, als von der Landwirtschaft leben, dürfte weiterhin zutreffen.


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