>> START  >> Geschichte

Altes Volksschauspiel mit Musik in Arzl
(aus: Arzler Notenblattl, 2005, Heft 2, S. 10-13)

Tirol gehört zu den Ländern mit einer besonders reichen Volksschauspiel-Tradition. Eine besondere Blüte ist im Barock festzustellen, wobei in dieser Zeit bedeutende Anregungen von jenen Schauspielen ausgingen, welche die Jesuiten in Innsbruck und Hall veranstalteten. Das führte dazu, dass sich gerade im mittleren Inntal zwischen Innsbruck und Hall in den Dörfern ein recht reger Spielbetrieb entfaltete.

Auch der Inhalt der Stücke wurde von diesen Anregungen mitbestimmt, denn im Mittelpunkt der Aufführungen standen meist religiöse Themen, wobei sich Märtyrer-Geschichten mit all dem dramatischen Pathos, das sich hier entfalten ließ, ganz besonderer Beliebtheit erfreuten. Neben Darstellungen aus der Lebens- und Leidensgeschichte der frühchristlichen Märtyrer wurden auch Schauspiele über die Jungfrau von Orleans und Maria Stuart aufgeführt, die beide als Glaubenszeuginnen angesehen wurden.

Die Verfasser der Dramen sind nur selten namentlich bekannt und auch der Inhalt der meisten Stücke wäre wohl in Vergessenheit geraten, hätte sich nicht ein weiterer Brauch der Hof- und Jesuitenschauspiele in die Dörfer verbreitet, nämlich die Sitte, manchmal den ganzen Text, viel häufiger aber Theaterzettel (so genannte „Periochen“) drucken zu lassen.
Diese Periochen bieten neben einem meist höchst barock-prächtigen Titel ein Verzeichnis der handelnden Personen und eine kurze, in Akte und Szenen gegliederte Zusammenfassung des Stückinhaltes. Viele dieser Drucke sind zwar wegen der Geringschätzung, die man allgemein solchen Kleinschriften und einige Zeit lang auch dem barocken Volksschauspiel entgegenbrachte, verloren gegangen, ein stattlicher Bestand hat sich aber doch erhalten – die entsprechenden Verzeichnisse des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum kommen auf mehrere hundert Nummern – und erlaubt, sich ein Bild vom Spielbetrieb zu machen.

Auch Arzl ist als Ort von Aufführungen belegt. Gedruckte Programme sind für drei Aufführungen bekannt:
„Johanna von Ark“ (1767),
„Johannes der Täufer“ (1795) und
„Sanct Florian“ (1797).
Von den Stücken über Jeanne d’Arc und den Heiligen Florian sind die Periochen in den Beständen des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum erhalten (Sign. F.B. 573/6 bzw. 573/3). Für die Geschichte der Musik in Arzl sind beide interessant, denn beide bezeugen musikalische Aufführungen in Arzl.
Zunächst sei der Inhalt der Stücke kurz vorgestellt. Der Text folgt hier in Satzbau und Rechtschreibung den Originalen, nur die Zeichensetzung ist teilweise etwas modernisiert, um den Sinn klarer zu machen; vor allem ist die Unterteilung der Akte in Auftritte weggelassen, weil sie die Sätze der Zusammenfassung völlig zerreißt.
 


Johanna von Ark
(1767)

Das sehr beliebte Thema der Jungfrau von Orleans – einschlägige Stücke sind auch für Roppen, Telfs, Wildermieming und Sellrain belegt – wurde in Arzl so vorgestellt:

 „Die von GOtt besonders erkiesene, und durchgehends, sowohl wider die feindlichen Waffen, als wider alle Martern unüberwindliche Jungfrau und Heldinn Johanna von Ark, oder das berühmte Bauernmägdlein von Orleans,
mit hochgnädiger Bewilligung in einem Schauspiele vorgestellt von einer ehrsamen Nachbarschaft zu Arzl nächst Millau, 1767.“

Hier gibt es zunächst ein musikalisches Vorspiel: „Christus lehret den Baurenstand alle seine Beschwerlichkeiten überwinden und überreicht ihm dazu einen sichern Schild.“

Erster Teil:
„Die von den Aeltern sorgfältig erzogene, und zu der Schäferey geschickte Johanna wird von einem zur Ehe begehrt, dem sie aber ihren göttlichen Bräutigam zeiget, von welchem sie auch unter der Gestalt eines Schäfers besuchet und zu dem bevorstehenden gestärket wird.
Ihre sorgfältige Mutter wird durch den Traum ihres Mannes erschreckt, der dessentwegen sich des Wohls seiner Tochter durch seine Söhne erkundiget.
Sie wird in ihrer Schäferey erstlich durch einen Einsidel, sodann durch einen Engel zu ihrem künftigen Beruf vorbereitet, den sie durch eine himmlische Stimme wirklich vernimmt, und bey der Gelegenheit eines abreisenden Kaufmanns ihres Befreundens sich mit selben nach erlangter Erlaubniß ihrer Aeltern auf den Weg machet, um selben auszuführen.“

Zwischen den ersten und dem zweiten Teil des Schauspieles wird ein musikalisches Zwischenspiel eingeschoben:
„Die Seele der Johanna wird von GOtt mit Waffen zu den künftigen Streiten versehen.“

Zweiter Teil:
„Der mit seinen getreuen Unterthanen beängstigte König Karl, durch einen Brief des Commandanten von Voculeur benachrichtiget, läßt Johanna vor sich kommen, und da er sie selbst geprüfet und ihre Vorsagungen richtig erfüllet siehet, erhöhet er sie unter Mannskleidern zu der Stelle eines Generals, giebt ihr ihren zu sich berufenen Vater sammt den drey Brüdern als Gehülfen zu, und überreichet ihr das nach ihrem Begehren gesuchte und an dem angezeigten Ort gefundene Schwert.
Nachdem nun Johanna die vor Orleans sitzenden Engeländer ohne Furcht zum Abzuge ermahnet, erledigte (= befreite) sie nicht nur allein die Stadt von der Belagerung und den von den Feinden ergriffenen Abgesandten von der Gefängniß, sondern sie erfreuete den König mit noch anderen herrlichen Eroberungen und Siegen.
Die Engeländer entschließen sich, nach dem sie einen übeln Streich nach dem anderen empfangen, sich noch in eine starke Festung zu flüchten, wobey Johanna, in einem Scharmützel verwundet, den bestürzten König tröstet und nach verbundener Wunde sich aufs neu zum Streiten rüstet, wozu sie die Bothschaft eines Ausspähers noch mehr anfrischet. Sie nimmt also von Karl Urlaub, nachdem sie ihn ermahnet, sich in Reims salben zu lassen.
Die Stadt wird zwar erobert, da aber die Feinde noch einmal auf diese einen Lust bekommen, wird Johanna bey einem Ausfalle von ihnen gefangen und nach Engeland überführet.“

Das folgende zweite musikalische Zwischenspiel zeigt:
„Die Seele der Johanna wird von Christo, weil sie sein Kreuz getragen und seinen Kelch getrunken, zu den ewigen Freuden eingeladen.“

Dritter Teil:
„Sowohl das geistliche als das weltliche Gericht nimmt die Heldinn ins Verhör. Man setzet sie öffentlich aus, wo sie von losen Buben verspottet (wird), und sodann, unter dem Versprechen ihrer Erledigung (= Befreiung), umsonst versuchet wird, das Bekänntniß einer Zauberkunst von sich zu geben, wobey ihr der süßeste Trost und eine unüberwindliche Stärke von dem Himmel selbst widerfährt.
Sie vernimmt ihr Endurtheil mit Freuden, und da indessen ihr Hauptankläger den Lohn seiner Bosheit empfängt, endiget sie unter den auferbäulichsten Uebungen der Tugenden auf dem Scheiterhaufen ihrer Marter nicht ohne herrliches Wunder zur Bewährung ihrer Unschuld.“

Interessant ist hier die Verteilung der Musik im Stück: opernartig gestaltet sind nur die Vor- und Zwischenspiele, die in der übernatürlichen Welt spielen und durch die Musik über das Menschlich-Irdische gehoben werden.
 


Sanct Florian
(1797)

Von dem nächsten, 1795 aufgeführten Stück ist nur der Titel der Perioche überliefert: „Johannes der Taufer und Vorläufer Christi des Herrn wird in der Wüste, in dem Predigtamte und an dem königlichen Hofe Herodis von der Gemeinde zu Arzel 1795 vorgestellet“, diese selbst aber anscheinend nicht mehr aufzufinden. Dafür ist der Theaterzettel des Stückes von 1797 wieder erhalten:

„Der zweymal obsiegende Held und Blutzeug Christi
Sanct Florian.
Ein ganz neu verfertigtes Trauerspiel in fünf Aufzügen mit einem damit verbundenen Musikstück, betitelt
Der siegreiche Kämpfer Josue vor der Stadt Jericho
in zwey Theilen.
Mit herrlichen Triumphen und Einzügen vorgestellt von einer ehrsamen Gemeinde im Dorfe Arzel
Mit Erlaubniß der Obern. 1797.“

Als Hauptpersonen treten auf:
Florian, „ein Oesterreichischer Feldherr“
Aquila, „Landpfleger in Oesterreich“
Aquilina, dessen Tochter und Braut des Florian
Octavius, Freund des Aquila
Maximus, Freund des Florian

„1. Aufzug: Aquiline ist voller Ungeduld wegen der Abwesenheit des Florians, und wird von ihrer Vertrauten getröstet. Dazu kömmt der Zuspruch ihres Vaters.
Endlich bringen Amarinus und Maximus die erfreuliche Nachricht von dem angekommenen Florian, welchem sie entgegen zu gehen alle Anstalt machen.
Florian kömmt mit dem Herrn und danket Gott für den erhaltenen Sieg. Welchen Aquila mit seiner Tochter samt dem ganzen Hofe mit Freuden empfängt.

2. Aufzug: Im Rathe werden dem Florian die gebührenden Belohnungen bestimmt, welche er aber ausschlägt. Berathschlagung des Aquila mit dem Florian wegen Staatssachen. Man bereitet alles zum Opfer.
Aquilina ist mißvergnügt, weil sie ihren Bräutigam nicht findet. Alles erscheint in höchster Pracht bei dem Opfer ausser Florian. Unverhoft kömmt Florian und stürzet den Gott Apollo zu Boden.
Darüber erzörnet Aquila, und will den Florian in das Gefängniß stossen, welches ihm aber mißrathen wird.

3. Aufzug: Florian ermuntert seine Soldaten zum christlichen Glauben. Wird zur Aquilina berufen, wozu er sich lange nicht entschließt. Gedanken der Aquilina wegen dem Sebastian. [Weil sonst von einem Sebastian im Drama nie die Rede ist, bleibt unklar, ob Aquilina über das Schicksal des Märtyrers Sebastian nachsinnt oder ob ein Versehen des Setzers vorliegt und richtiger von „Florian“ die Rede sein sollte.] Sie will den ankommenden Florian zum Heidenthume bereden; er aber bekehret sie zum christlichen Glauben.
Dazu kömmt Aquila und laßt aus Zorn beyde in Kerker sperren. Nach gesunkener Wuth entschließt er sich, die Sache dem Rath vorzutragen.

4. Aufzug: In dem Rath wird über den Florian das Todesurtheil geschöpfet, vorher aber die Marter bestimmt, Aquilina aber zur Verhör gerufen. Oktavius verspricht Aquilinen zu Recht zu bringen.
Florian wird nach der Marter in den Kerker geführt, und von den Soldaten verspottet. Er ergiebt sich in den Willen Gottes. Wird von seinem Freund besucht und getröstet. Endlich kündigt ihm der Wachtmeister das Todesurtheil an.

5. Aufzug: Aquilina wird von ihrer Vertrauten besucht, welche sie zum Glauben bekehrt. Aquilina wird vom Himmel gestärket, und ihr der Tod vorgesagt. Oktavius suchte sie vergebens zu verführen. Auch der Vater richtet nichts mit ihr, worauf er sie in der Wuth ermordet.
Maximus findet in dem Kerker ein Buch, und ein Kreuz, welches er dem Florian übergeben will. Florian wird zum Tode abgeführt. Dazu kömmt Maximus: es folget eine starke Bekehrung der Anwesenden, und endlich der Tod des Florian.
Aquila aus Verzweiflung ersticht sich selbst.“

Während sich das Stück über „Johanna von Ark“ einigermaßen an die geschichtliche Überlieferung hält, weicht das Florianus-Stück von der frühchristlichen Heiligenlegende stark ab, indem es mit der Liebesgeschichte von Florian und Aquilina und dem tragischen Ende der Aquilina ein sehr theaterwirksames, aber der ursprünglichen Erzählung ganz fremdes Element einführt.

Bei dieser Aufführung scheint die Musik im Hauptstück keine besondere Rolle gespielt zu haben, auch wenn man sich etwa ihren Einsatz bei dem „in höchster Pracht“ veranstalteten großen Opfer im 2. Akt gut vorstellen könnte, dafür folgt ein eigenes Singspiel mit Musik, eben der im Titel erwähnte „Siegreiche Kämpfer Josue vor der Stadt Jericho“. Hier wird als Inhalt der beiden Teile angegeben:
Erster Teil: „Die Stadt Jericho wird für unüberwindlich befunden, von dem Weib aber den Kundschaftern der Sieg vorgesagt.“
Zweiter Teil: „Jericho wird zerstöret, der König gefangen, das Haus des Weibes gerettet.“
Bei der Musik dieses Singspieles darf man immerhin begründete Vermutungen über die Instrumentierung anstellen, für die uns sonst die Periochen ganz im Stich lassen: bei der Eroberung von Jericho wird man kaum ohne Blasinstrumente ausgekommen sein, um die Wirkung der berühmten Posaunen wiederzugeben:
„Aber der HERR sprach zu Josua: Sieh, ich habe Jericho samt seinem König und seinen Kriegsleuten in deine Hand gegeben. Lass alle Kriegsmänner rings um die Stadt herumgehen einmal, und tu so sechs Tage lang. Und lass sieben Priester sieben Posaunen tragen vor der Lade her, und am siebenten Tage zieht siebenmal um die Stadt, und lass die Priester die Posaunen blasen. Und wenn man die Posaune bläst und es lange tönt, so soll das ganze Kriegsvolk ein großes Kriegsgeschrei erheben, wenn ihr den Schall der Posaune hört. Dann wird die Stadtmauer einfallen, und das Kriegsvolk soll hinaufsteigen.“ (Jos. 6, 2-4).
Dass diese göttliche Regieanweisung kaum zu leiser und zarter Musik geführt haben kann, ist umso mehr anzunehmen, als Zurückhaltung und leise Töne ohnehin nicht Sache dieser spätbarocken Schauspiele waren, im Gegenteil: je pompöser, lauter und drastischer die Sache abging, umso größer scheint die Freude der Zuschauer gewesen zu sein!
 


Alte Berichte zur Spielpraxis

Ansonsten ist die Überlieferung über die Musik eher spärlich. Ein räumlich und zeitlich nahe an den Arzler Spielen liegender Bericht bezieht sich auf ein Spiel über den Märtyrer St. Pankraz, das in Amras gegeben wurde: hier werden zwei Geigen, Waldhorn und Violoncell als Instrumente angeführt. Dieser Bericht beschreibt anschaulich die Zurichtung des Spielplatzes:

„… es war daher ein sehr glücklicher Zufall, daß noch vor meiner Abreise von Inspruck, in einem nahegelegenen Dorfe ein solches in unserem nördlichen Deutschland ganz fremdes Schauspiel vorfiel.
Ein gedruckter Foliobogen kündigte dieses am 25sten Jul. 1793 von Seiten einer ehrsamen Gemeinde zu Ambras an. Es war ein großes Trauerspiel unter dem Titel: der junge Held und Märtyrer St. Pangraz, das um 1 ½ Uhr nachmittags angefangen und um 6 Uhr beendigt seyn sollte… Das Amphitheater war ein Rasenplatz am Wirthshause, den im Hintergrunde ein angebauter Saal begränzte. Den Schatten bezahlte man auf den Plätzen besonders mit sechs Kreutzern… Die drey Eingänge wurden durch Bauern mit Hellebarden bewahrt. Das Theater war ziemlich bauerhaft von Holz erbauet, sehr erhaben und lang; zugleich kamen dem Maschinenmeister zwey Seitencourtinen zu statten, die neben dem zierlichen Hauptvorhange wechselweise aufgezogen wurden. Ueber demselben gingen aus dem geweihten Munde eines hölzernen Engels das Leben und der Tod des heiligen Pangraz in vergoldetem Rauch hervor. Der unharmonische Doppelklang von zwey Geigen, einem Waldhorn und dem Violoncell stimmte das Publikum zu frommen Empfindungen, dann dem Anschlagzettel zu folge stellte die Musik den Weinberg Christi vor.
Nach griechischer Sitte wurde ein Prolog mit Gesang gegeben, in welchem der gute Hirte unter beständigen Schwenkungen des Hirtenstabes die Gottlosigkeiten unserer Zeiten in Knittelversen schilderte…“ (G. E. Rosenthal – A. Karg, Der Deutsche und sein Vaterland, 2. Bd., 1797, 338ff.).

Auch die mehr als hundert Jahre jüngere Beschreibung von Spielbräuchen, die Ludwig von Hörmann gibt, erwähnt ein „Orchester“ mit vier Instrumenten: je eine Violine, Bassgeige, Klarinette und Trompete.

„In der Nähe des Wirtshauses staut sich die Menge vor einem ziemlich ansehnlichen Brettergebäude, das wahrscheinlich einmal als Heustadel Dienste getan; jetzt ist es zum Tempel Thalia's geworden. Ein hölzerner Einfang vor demselben mit einer Reihe von Sitzbänken ergibt den Zuschauerraum. Darüber sind einige alte löcherige Wagenblachen gespannt, die aber kaum den zwölften Teil des Schauplatzes decken; sie sollen Schutz gegen Sonne und Regen, sein; der Zettel besagt ja: "Für Sonnenhitze und Regen ist bestens gesorgt!"
Wir erkaufen uns also bei dem am Tore stehenden Kassier den Eintritt, versteht sich für den ersten Platz, denn wir wollen uns das klassische Drama gut ansehen, und drängen uns mit einigen Rippenstößen in den innern bereits sehr gefüllten Raum. Dabei passieren wir die strengen Blicke des Dorfpolizeidieners, insgemein Bettelstanzer oder Bettelrichter genannt, der mit einem derben Stock den Eingang bewacht. Nur mutig vorwärts! Seine drohenden Mienen gelten nicht uns, sondern den kleinen Buben, die durch die Ritzen ins "Theater" schauen oder gar die Planken überkraxeln wollen. Endlich haben wir uns zurechtgesetzt zwischen vierschrötigen Großbauern und deren schwatzenden Weibern. Die Herrlichkeiten der Bühne verhüllt noch der neidische Vorhang, ein Prachtstück von ähnlicher Beschaffenheit wie der oben erwähnte Baldachin des Schauplanes, höchstens, wenn es ‚nobel’ hergeht, mit Anstreicherfarben beklext. Doch, horch! welche Klänge! Was ist das berühmte Florentiner Quartett gegen die vier Virtuosen vor uns, die mit einer Violine, einer Baßgeige, einer Klarinette und einer Trompete das bäuerliche Orchester vertreten und deren landläufiger Ehrentitel ‚Höllische Pein’, den man diesen Musikanten aufgebracht hat, genugsam für ihre Leistungen spricht.“ (L. v. Hörmann, Tiroler Volksleben, 1909).


Johann Placidus Altmutter (1780-1819), Bauerntheater (um 1805/10)
Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, Graphische Sammlungen (T 1149)

Auch eine um 1805/10 entstandene Zeichnung von Jakob Placidus Altmutter (Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, Graphische Sammlungen, T 1149), welche eine Szene aus der Aufführung eines St. Afra-Stückes in Mils zeigt, gibt im Vordergrund vier Musiker wieder: sie spielen eine Bassgeige, zwei kleinere Streichinstrumente und eine Klarinette. Etwa von der Art und Größe der beschriebenen wird auch das Orchester der Arzler Aufführungen gewesen sein.
Die Musikanten selbst dürften aus Arzl gekommen sein, denn auch wenn – wie die oben erwähnte Beschreibung der Amraser Aufführung zeigt – solche Aufführungen auch auswärtiges Publikum anzogen, waren es in erster Linie Spiele der Dorfbevölkerung für die Dorfbevölkerung.
 


Haben Sie Anregungen, Hinweise, Korrekturvorschläge? Haben Sie Material (Photos, Dokumente, Überlieferungen...), das Sie zur Verfügung stellen wollen?
Bitte melden Sie sich!

Dietrich Feil
General-Feurstein-Straße 13
6020 Innsbruck/Arzl


(C) Dietrich FEIL, Innsbruck/Arzl, 2006
 
Diese Seiten werden auf einem Server der Universitaet Innsbruck gehostet und unterstehen diesen Richtlinien.