>> START  >> Kunstdenkmäler  >> Kalvarienberg

DIE AUSGRABUNGEN AM KALVARIENBERG






Wegen seiner talbeherrschenden Lage hat der Arzler Kalvarienberg immer Aufmerksamkeit erregt und die Vermutung, es müsse hier schon vor Errichtung der Kalvarienbergkirche 1664/65 eine – wie immer geartete – Bebauung gegeben haben, lag nahe. Dokumentarische Belege gibt es dafür allerdings keine.

Auch die Burg der „Edlen von Arzl“, von der die großen Werke zur Tiroler Landeskunde aus dem 19. Jahrhundert (J.J. Staffler, B. Weber, G. Tinkhauser) berichten, schien mitsamt den „Edlen von Arzl“ reines Phantasieprodukt zu sein:
"Merkwürdig ragt zwischen dem Dorfe und dem tieferen Heerwege ein Hügel, einst die Stelle eines Schlosses, das dem am Fuße liegenden Dorfe den Namen erteilt, der Wohnsitz der Herren von Arzl, die im 12. und 13. Jahrhundert als angesehene Edelmänner im Innthale auftreten, später aber ganz aus der Geschichte verschwunden sind, jetzt zum Kalvarienberge eingerichtet mit einer weithin schimmernden, hellweißen Kapelle, ebenso bequem der ländlichen Volksandacht wie dem Auge, das Panorama der Gegend zu überschauen..."
(aus: Beda Weber "Das Land Tirol" Innsbruck 1838, Seite 177).
Im Lichte der neuesten Untersuchungen scheint allerdings nicht ausgeschlossen, dass im 19. Jh. tatsächlich Mauern beobachtet wurden, aus denen dann die Existenz einer Burg erschlossen wurde. Dabei spielte sicher auch die Suche nach einer Erklärung für den Ortsnamen mit: „Arzl“ wurde und wird häufig von lateinisch „arcella = kleine Burg“ hergeleitet.

Einzige wirkliche Indizien für eine ältere Nutzung des Kalvarienberges waren einige vorgeschichtliche und römerzeitliche Streufunde. Systematische Ausgrabungen haben bisher nicht stattgefunden.

Im Zuge der Rodungsarbeiten für die Sanierung des Südhanges des Arzler Kalvarienberges trat im Hangabbruch der Rest einer Mauer mit Kalkmörtel zu Tage. Diese Mauer kann mit keinem der bestehenden Gebäude in Zusammenhang stehen.
Des weiteren wurden in den Löchern, welche die Baumaschinen, die seit Herbst 2003 bei den Hangsanierungsarbeiten eingesetzt waren, in die Grasnarbe gerissen haben, Steine  festgestellt, welche nicht zur geologischen Struktur des Berges passen.

Auf Grund dieser Beobachtungen von Heinz Müller (ArchaeoTirol) wurden in Absprache mit dem Bundesdenkmalamt - Landeskonservatorat für Tirol (Mag. J. Pöll) und den örtlichen Grundbesitzern unter der Leitung von Dr. Dietrich Feil (Institut für Klassische Archäologie der Universität Innsbruck) und Heinz Müller vom 23. - 25. Juni 2004 zwei Suchschnitte angelegt, welche folgendes ergeben haben:
- unmittelbar an der Abbruchkante finden sich noch ausgedehntere Reste von Mauerwerk mit Kalkmörtel;
- ein 60 cm breiter und ca. 7 m langer Suchschnitt hangaufwärts ist zur Gänze mit Steinen ausgelegt; hier haben sich Fragmente verbrannter Knochen sowie Reste vorgeschichtlicher Keramik gefunden, wobei die Fundhäufigkeit Richtung Gipfel des Hügels zuzunehmen scheint.

Diese Befunde, welche eindeutig für eine ältere Bebauung des Kalvarienberges sprechen, sind nun Anlass für eine systematische Ausgrabung. Diese wird von der Stadtgemeinde Innsbruck finanziert.
Hierfür ist besonders Frau Bürgermeister Hilde Zach zu danken, welche in freundlichster Weise eine rasche Zusage gegeben und damit einen baldigen Beginn der eigentlichen Grabung ermöglicht hat!

Die systematischen Grabungsarbeiten werden am 5. Juli 2004 beginnen.


Erste Ergebnisse der Ausgrabungen gibt es in der Ausstellung:

Ausgrabungen auf dem Kalvarienberg und am Scheibenbichl
2004



Haben Sie Anregungen, Hinweise, Korrekturvorschläge? Haben Sie Material (Photos, Dokumente, Überlieferungen...), das Sie zur Verfügung stellen wollen?
Bitte melden Sie sich!

Dietrich Feil
General-Feurstein-Straße 13
6020 Innsbruck/Arzl


(C) Dietrich FEIL, Innsbruck/Arzl, 2002
Diese Seiten werden auf einem Server der Universitaet Innsbruck gehostet und unterstehen diesen Richtlinien.