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ZUR GESCHICHTE DER KALVARIENBERG-KIRCHE

"Vermerkt die kirchen auf dem perg Challfäri ist geweicht worden den 24. october a° 1665 jar und zu diser zeit ist Mathieß Oberist, pfarrer zue Thaur, gewösen und die nachperen Geörg Pernlochner und Walthauser Wach, Michael Wach und Niclos Vindl und Georg Pliemb, all vier zue Arzl."
(Grass-Finsterwalder (1966) 144).
Mit diesen Worten wird - originellerweise in einem Nachtrag zu einer Bewässerungs- und Zaunordnung - der Einweihung der Kalvarienberg-Kirche gedacht. Mit ihrem Bau wurde schon mindestens ein Jahr früher, 1663/64, begonnen.
Ein Anlaß für die Errichtung der Kapelle ist nicht überliefert. Möchte man in der Dorfgeschichte nach Gründen suchen, so böte sich am ehesten die  große Pestepidemie von 1643 als Grund für eine Kapellenstiftung an.

Der ersten Bauphase kann nach dem Ausweis der Dokumente wie der ältesten Abbildung der Kapelle der gesamte Baubestand mit Ausnahme des östlichen Vorbaues und einschließlich der Stationskapellen zugeschrieben werden.


Ausschnitt des Freskos auf dem Haus Canisiusweg 7 (vor 1737)

Ein Vergleich dieser Darstellung mit dem heutigen Befund zeigt einige Abweichungen, die zum Teil auf Mängel der Darstellung, zum Teil aber auch auf bauliche Veränderungen zurückzuführen sein dürften:

- die Laterne auf dem Kuppelbau wirkt wesentlich größer und anders überdacht; ein entsprechender Umbau ist nicht leicht vorstellbar;
- der Turm wirkt niedriger und im Vergleich zur Laterne sehr schmächtig; seine Gestaltung als Dachreiter ist nicht zu erkennen; auch das dürfte kaum Folge baulicher Änderung sein;
- im Dach des Kuppelraumes zeichnet sich die achteckige Raumstruktur nicht ab;
- auf dem Fresko scheint jede Wand des Zentralbaues ein Fenster zu haben; eine Zumauerung einiger Fenster etwa im Zusammenhang mit der Umgestaltung des Innenraumes um 1777 wäre leicht vorstellbar, ist allerdings am Bau ohne genauere Untersuchung nicht festzustellen.

Auf dem Fresko nicht sichtbar ist das hölzerne Geländer, das den Weg auf den Kalvarienberg flankiert hat und das schon nach knapp dreißig Jahren (1694) erstmals erneuert werden mußte.
1743 mußte auch das Kirchendach erneuert werden.

1777 kam es zu einer durchgreifenderen Umgestaltung im Kircheninneren: in der Kuppel wurden die ursprünglich auf den noch erhaltenen flachen Konsolen aufsitzenden Bandrippen entfernt, damit der Kuppelraum vereinheitlicht und mit den Fresken von Aloys Berathonner geschmückt.


Eine der Konsolen der ursprünglichen Bandrippenkuppel und
Ausschnitt der Fensterrahmung

Zu einem gravierenden Einschnitt in der Kirchengeschichte führten die Reformen Kaiser Josephs II.: 1786 wurde die Kirche säkularisiert und geschlossen, 1787 wurden Teile des Kirchengeräts und der Einrichtung (z.B. die Glocken) freigegeben und für andere Seelsorgstellen verwendet, 1788 schließlich die ausgeräumte Kirche zum Verkauf angeboten. Das Interesse an Bau und zugehörigem Grund hielt sich allerdings in sehr engen Grenzen und so konnte die Gemeinde Arzl die Kirche zum Schätzpreis von 30 Gulden erwerben. Seither befindet sie sich im Eigentum der Gemeinde Arzl bzw. der Gemeinde Innsbruck. Zu den Verkaufsbedingungen gehörte die Auflage, die Kapelle einem weltlichen und für die Gemeinde nützlichen Zweck zuzuführen, was allem Anschein nach nicht geschehen ist, denn es gibt aus den nächsten Jahren sowohl Nachrichten über "widerrechtlich" abgehaltene Messen als auch wiederholte Ansuchen der Gemeinde Arzl, die Kirche wieder als solche zu öffnen. Am 21. Februar 1793 wird diesem Ansuchen schließlich stattgegeben.

1813/14 wurde die Kirche saniert und 1845 wurde die östliche Vorhalle angebaut. Im Zuge dieser Arbeiten wurden auch neue Kreuzwegstationen gemalt und die Altarplastik der Schmerzhaften Muttergottes neu gefaßt.
Am 25. März 1846 wurde die Altarstatue im Rahmen eines größeren Festes zurückgebracht. Die Pfarrchronik berichtet darüber:
 

"Indem der verstorbene Bauer Franz Wach, Papp, 300 Gulden Konventionswährung zur Reparation der Berg Calvari Kapelle 1845 legierte, so wurde mit diesem Gelde die benannte Kapelle durch die Thätigkeit des damaligen Hülfpriesters, Herrn Joseph Schuen, reparirt, das schmerzhafte Mutter-Gottesbild wieder vom Franz Kirchstätter, Faßmahler zu Innsbruck treflich hergestellt.
Von Innsbruck herab getragen ... wurde diese Bildniß durch Mühlau mit dortiger Musikbande begleitet, vor der Arzeller (Maria-Hilf-) Kapelle dann eingesegnet ... (und) in einem schönen Ferkel von 6 Junggesellen auf den Calvari Berg getragen, auf den dortigen Altar gesetzt und mit musalischer (!) Lytanie und einer herzrührenden Schlußpredigt des Jos. Schuen verehrt. Das Volk - über 5000 Köpfe - hatte große Freude und Andacht. Die Prozession wurde begleitet von 2 abwechselnd spielenden Musik-Banden von Mühlau und Arzl, von der dasiegen Schützen-Compagnie und den Partesanern mit den Hellbarten."

(nach: Hye (1974/75) 1574)

Die Arbeiten der Jahre 1845/46 sind die letzten größeren Bauarbeiten an der Kalvarienbergkirche. Seither haben wiederholt Umgestaltungen in Details (z.B. 1903 Einbau von - mittlerweilen wieder entfernten - bunten Glasfenstern der Innsbrucker Glasmalerei) und vor allem Restaurierungsarbeiten (letzte umfangreiche Arbeiten 1989-1992) vorgenommen.

Hauptquellen:
    Hye (1974/75)
    Plangg (1994)
    ÖKT LII


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Dietrich Feil
General-Feurstein-Straße 13
6020 Innsbruck/Arzl


(C) Dietrich FEIL, Innsbruck/Arzl, 2002

(*) An der Festprozession war selbstverständlich kein Jungschwein beteiligt, das "Ferkel" kommt vielmehr vom lateinischen ferculum und bezeichnet ein Tragegestell für Statuen.(^)
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