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MARIAHILFKAPELLE
(an der Arzler Straße am westlichen Ortsbeginn)

Am westlichen Ortsrand liegt links, etwas über der Arzler Straße, die von zwei besonders schönen Platanen flankierte Mariahilfkapelle.
Der erste Bau ist in der Barockzeit entstanden, 1830 wurde er verlängert und 1969 restauriert; eine neuerliche Restaurierung fand 2004/05 statt.
 
 

Restaurierung und Wiedereröffnung der
Mariahilf-Kapelle
im Juni 2005

 

Im Sommer 1938 suchte Cons. Rudolf Leuprecht, der bis dahin Pfarrer in Prebl (Kärnten) gewesen war, um Erteilung der Meßlizenz für die Kapelle an: er beabsichtige in Kürze seinen Ruhestand in seinem der Kapelle benachbarten Haus anzutreten, sei aber wegen eines unheilbaren Fußleidens außerstande, die Messe in der Pfarrkirche zu lesen und ersuche daher, es in dieser Kapelle tun zu dürfen. Dem Ersuchen wird - mit der Einschränkung, in der Heiligen Nacht hier keine Messe zu lesen - vorläufig für ein Jahr stattgegeben und die Kapelle von Pfarrer Leuprecht geweiht. Auch dem Ersuchen, die kanonischen Kreuzwegstationen in der Kapelle zu errichten, wird stattgegeben. Im Herbst 1939 stellt man Probleme mit den Hostien fest: manchmal seien es zu wenige, manchmal zu viele... Daher wird gebeten, das Allerheiligste zumindest den Winter über in der Kapelle aufbewahren zu dürfen, was angesichts der Tatsache, daß die Kapelle von Pfarrer Leuprecht ständig betreut und gut besucht ist, ebenfalls genehmigt wird. Die 1938 erteilte Meßlizenz wird dann bis zum Tode Rudolf Leuprechts 1965 jeweils um 10 Jahre verlängert.

Die Kapelle hat einen langrechteckigen Grundriß mit eingezogenem Chor und Satteldach.
An der Fassade befindet sich das aus dem Jahr 1858 stammende Maria-Hilf-Fresko von Josef Arnold.


Maria-Hilf-Bild (vor der Restaurierung 2004/05)

Der stichkappengewölbte Chor ist mit einem barocken Abschlußgitter versehen.


Ausschnitt des barocken Chorgitters
(vor der Restaurierung 2004/05)

Der recht qualitätvolle Altar wird Stefan Föger zugeschrieben. Über dem Altartisch mit bandelwerkverziertem, geschnitzten Antependium befindet sich eine Kopie des bekannten Maria-Hilf-Bildes in einem reich geschnitzten, mit Putten verzierten Rahmen. Maria und das Jesukind tragen Metallkronen. Das Bild wird von geschnitzten Statuen des Erzengels Michael und des Schutzengels flankiert.


Mittelteil des Altares mit Mariahilf-Bild

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Linker und rechter Seitenteil und Unterteil des Altares

Von den ehemals vorhandenen Votivtafeln ist nur noch eine zu sehen (die meisten anderen dürften bei einem Diebstahl in den 60er-Jahren abhanden gekommen sein). Auch die eine noch vorhandene ist so stark nachgedunkelt, daß die Darstellung kaum noch zu erkennen ist.


Votivbild mit Darstellung einer bettlägrigen Frau und Erscheinung des Maria-Hilf-Bildes
(künstlich aufgehellt)
Die einstens zahlreichen alten Votivbilder sind zum Großteile durch moderne verdrängt worden. Die ältesten noch vorhandenen stammen aus den Jahren 1712 und 1716. Vor dem Kriege befand sich in der Kapelle noch eine beachtenswerte Tafel mit der Legende von einer vornehmen Frau, die einer Taglöhnerin wegen ihrer vielen Kinder Vorwürfe machte und zur Strafe dafür so viele Kinder tot zur Welt brachte, als das Jahr Tage zählt. Auch andernorts, zum Beispiel in Thierberg bei Kufstein, trifft man solche Überlieferungen an als Zeugen der im Volke lebendigen Überzeugung, wie Gott begangene Frevel straft.
(Hochenegg (1935) 48)

>> LISTE DER UM 1962 NOCH VORHANDENEN VOTIVBILDER <<

Links vom Altar steht heute eine Marienstatue neuerer Zeit, links und rechts vom Chor zwei weitere Statuen.

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Die Marienstatue am Altar und die den Chor flankierenden Statuen


Ein Teil der Kreuzwegstationen

Weder diese Statuen noch die Kreuzwegstationen können besonderen Kunstwert beanspruchen, doch sollte man nicht vergessen, daß Glauben und Kunst, Andacht und Kunstbetrachtung keineswegs dasselbe sind.


Weihwasserbecken am Eingang

Die Platanen vor der Kapelle sind übrigens als Naturdenkmäler eingestuft.


Kapelle mit Platanen
(alle Bilder September 2001)

Quellen:
ÖKT XLV  595.
Plangg (1994) 112ff.
Preindl (2003) 105.

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Dietrich Feil
General-Feurstein-Straße 13
6020 Innsbruck/Arzl


(C) Dietrich FEIL, Innsbruck/Arzl, 2002
 
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