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INNSBRUCKER KÜCHENSCHELLE

Die Innsbrucker Küchenschelle (Pulsatilla oenipontana D.T. et Sarnth.) war bis um 1900 in der Innsbrucker Umgebung weit verbreitet (Dalla Torre & Sarnthein 1909, Gams 1967). Sie kommt jedoch heute nur noch in kleinen Restbeständen an den südost-, süd- und südwestexponierten Hängen in Arzl, auf den Arzler/Rumer Bichln und in Thaur vor. Sie zählt zu den extrem gefährdeten Pflanzenarten in Tirol.


Innsbrucker Küchenschelle (Pulsatilla oenipontana)
Foto: Erschbamer

Die Innsbrucker Küchenschelle steht zwar bereits seit 1939 unter Schutz, ist aber heute eine der gefährdetsten Pflanzenarten Nordtirols. Im Jahre 1981 wurde das Naturschutzgebiet Arzl (Kalkofenweg) eingerichtet. Das Gebiet umfasst ein Areal von 3490 m², das der Pfarre Arzl gehört. Die Gesellschaft der Freunde des Botanischen Gartens zahlen dafür einen jährlichen Pachtzins. Die Stadt Innsbruck hat sich verpflichtet, für die jährliche Mahd zu sorgen.


Naturschutzgebiet Innsbrucker Küchenschelle in Arzl
Foto: Erschbamer, April 2003

Bedrohung der Innsbrucker Küchenschelle: bereits in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden durch die Ausdehnung des Siedlungsgebietes zahlreiche Wuchsorte zwischen Kranebitten-Hötting-Arzl-Thaur-Hall vernichtet. Besonders gravierend war die Änderung der landwirtschaftlichen Nutzung ab der Mitte des 20. Jahrhunderts: die relativ ebenen Flächen wurden intensiv gedüngt (neben Mist wurden vor allem Jauche und Mineraldünger eingesetzt) und mehrmals gemäht. Eine Nachweide im Herbst, wie sie früher üblich war, findet seit Jahrzehnten nicht mehr statt. Durch die zunehmende Verbuschung der nicht mehr genutzten steilen Hänge im Bereich der Arzler/Rumer Bichl nimmt die Anzahl der  Küchenschellen-Individuen kontinuierlich ab.

Die Gefährdung der Innsbrucker Küchenschelle ist extrem: in den Jahren 1994 bis 1998 reduzierte sich die Populationsgröße um 70 %, an beschatteten Waldstandorten sogar um 92 % (Winkler et al. 1999, Unterasinger 2002, Unterasinger & Erschbamer 2002).


Innsbrucker Küchenschelle (Pulsatilla oenipontana)
Foto: Erschbamer

Im Naturschutzgebiet in Arzl wurden im Jahre 1999 insgesamt 355 junge Pflänzchen der Küchenschelle ausgepflanzt, im Jahre 2000 weitere 195 (die Pflanzen wurden im Botanischen Garten der Universität Innsbruck aus Samen angezogen). Die Überlebensrate belief sich bis zum März 2000 auf rund 55 %. Von den im Herbst 2001 ausgepflanzten 169 Individuen überlebten bis April 2003 ca. 25 %.


Jungpflanze der Innsbrucker Küchenschelle (Pulsatilla oenipontana), die im Herbst 2001 im Naturschutzgebiet Arzl ausgepflanzt wurde.
Foto: April 2003, Erschbamer

Gesamtanzahl der Individuen der Innsbrucker Küchenschelle in Arzl und auf den Arzler/Rumer Bichln (Daten: Erschbamer et al. unveröff., Ganahl unveröff., Unterasinger & Erschbamer 2002):
 
Wuchsort 1990 1995 1999 2000
Arzl/Naturschutzgebiet 12 73 16 8
Arzl/Fischerkapelle 360   88  
Rumerbichl 1 301 81 25 25
Rumerbichl 2 223 352 39 17
Rumerbichl 3 297 506 79 55
Rumerbichl Ost 293 393    
Rumerbichl Wald 8 62 3 3
Rumerbichl Rest 41 102 0 0

Zahlreiche weitere Informationen zur Innsbrucker Küchenschelle gibt es auf der Homepage von Mag. Romed Unterasinger.

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© Brigitta Erschbamer, 2003

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