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DIE ACKERTERRASSEN


Die Ackerterrassen im oberen Teil der "Runggen"

Zu den besonders auffallenden Erscheinungen im Landschaftsbild von Arzl gehören die Acker- und Wiesenterrassen, die einen großen Teil der landwirtschaftlich bebauten Fläche ausmachen. Wie die Karte zeigt, fehlen sie zwar im westlichen Teil des Arzler Gebietes weitgehend, reichen dafür aber etwa östlich des Purnhofweges von der unteren Waldgrenze zum Teil bis fast an den Rand des Abbruches zur ehemaligen Au. Sie sind bis zu 13 m breit und bis zu 3,50 m hoch.


Verteilung der terrassierten Ackerflächen im Bereich von Arzl. Die stark durchgezogenen Linien markieren die Terrassenkanten.
(Flurkarte nach: Bachmann (1963/64); in einigen Bereichen sind die Terrassen mittlerweilen durch Verbauung u. dgl. nicht mehr vorhanden.)

Daß diese Ackerterrassen nicht natürlichen Ursprungs, sondern von Menschenhand angelegt worden sind, ist nicht zu bezweifeln. Fraglich und umstritten sind allerdings sowohl die Zeit, in der sie angelegt worden sind, als auch ihr Zweck.
In älterer Zeit wurden sie häufig mit dem alten Arzler Weinbau in Verbindung gebracht. Wenn nun aber auch vielleicht früher in Arzl etwas Wein angebaut worden sein mag, wäre doch der Anteil der terrassierten Flächen an der Gesamtanbaufläche viel zu groß, als daß sie für den Weinbau gedient haben könnten. Dazu kommt zudem von weinbautechnischer Seite der Einwand, in einem sanft geneigten Gelände wie dem von Arzl sei die Anlage solcher breiter und flacher Terrassen ganz unnütz, ja sogar dem Weinbau abträglich: die Anlage von Terrassen sei nur sinnvoll, wenn das Gelände so steil sei, daß seine Bearbeitung ohne Terrassierung nicht möglich sei, ansonsten aber sei die Hangneigung den Reben durchaus zuträglich.


Felder nördlich der General-Feurstein-Straße von Westen: bei geringer Schneelage zeigt sich deutlich der Unterschied
zwischen den noch schneebedeckten flachen und den schneefreien steilen Hangabschnitten (Jänner 2004).

Neuere Erklärungsversuche gehen davon aus, daß die Terrassen zur Speicherung der Bodenfeuchtigkeit angelegt worden seien. In einem so stark der Sonneneinstrahlung ausgesetzten  und zudem häufig durch den Föhn ausgetrockneten Gebiet wie den Arzler Hängen sei es vorteilhafter, flache Terrassen anzulegen, um die Niederschläge an zu schnellem oberflächlichem Abfließen zu hindern. Ferner hätten die Terrassen bei Kulturen mit großen offenen Bodenflächen, wie z.B. dem Wein- und Maisanbau, den Vorteil, die Bodenerosion zu reduzieren.

Ganz ungeklärt ist dagegen die Frage, wann diese Terrassen in Arzl (und in einigen anderen Orten der Nachbarschaft) angelegt worden seien. Die Tatsache, daß ein so großer Aufwand wie die großflächige Felderterrassierung in Zeiten mit einigermaßen guter Überlieferungslage nicht unvermerkt geblieben sein dürfte, legt die Vermutung nahe, daß es sehr früh, spätestens im frühen Mittelalter geschehen sein dürfte. Da aus klimatologischen Untersuchungen bekannt ist, daß um etwa 500 - 700 n. Chr. ein besonders warmes und trockenes Klima herrschte, gelangte man ferner zur Vermutung, daß die Terrassen damals angelegt worden sein könnten. Eine so frühe Entstehung der Terrassen würde jedenfalls erklären, warum sie auch in den ältesten Geschichtsquellen nie erwähnt werden. Ein sicherer Beweis steht allerdings noch aus.

Ein Versuch, Aufbau und Entstehungszeit der Terrassenäcker mit archäologischen Methoden zu untersuchen, hat in Arzl nicht stattgefunden. Eine entsprechende Untersuchung in der Gegend von Dormitz (Gemeinde Nassereith) ergab folgendes Profil der Ackerstufen:


(Abbildung aus: G. Kaltenhauser, Tiroler Heimat 34, 1971, 99 Abb.1)

Eine teilweise freiliegende, zum Teil allerdings schon erodierte Anschnittstelle durch eine der Arzler Terrassen (nördlich der General-Feurstein-Straße, etwa gegenüber Haus Nr. 9) scheint einen ähnlichen Befund zu zeigen, allerdings ist zu bemerken, daß die Arzler Terrassen zum Teil deutlich breiter sind als die hier in Dormitz angegrabene.
Im Falle der Dormitzer Terrasse fand sich in der Aufschüttung (Nr. 2 im obigen Profilschnitt) verkohltes Material, das mittels C14-Messung etwa in die Zeit um 250-90 v.Chr. datiert werden konnte. Weil allerdings kaum Zweifel daran bestehen können, daß es sich dabei um umgelagertes Material handelt, sagt es für die Zeitbestimmung der Terrassenanlage nicht mehr aus, als daß die Terrassen nach dieser Zeit entstanden sein müssen. (Zu den Dormitzer Terrassen: G. Kaltenhauser, Beobachtungen an Stufenäckern bei Dormitz (Gem. Nassereith, Tiroler Heimat 34, 1971, 99f.)

Für Arzl zeigt die Ausdehnung der terrassierten Flächen, daß schon zur Zeit ihrer Entstehung der Anteil des landwirtschaftlich genutzten Geländes in den Hangbereichen von Arzl etwa gleich groß wie heute war.


Grenze zwischen dem leicht terrassierten (links) und dem unterrassierten Gelände südlich des Kalvarienberges
("zwischen Bergen")

Unter biologischem Gesichtspunkt ist zu bemerken, daß die trocken-heißen Hangstreifen der Terrassen-"Wände", die nicht bebaut und kaum gemäht werden, eine auffallend reiche Kleintierfauna, vor allem bodenbewohnender Insekten, aufweisen.

Quellen:
Auer (1984) 25f.; 118ff.
Bachmann (1963/64) 40-46.
G. Kaltenhauser, Beobachtungen an Stufenäckern bei Dormitz (Gem. Nassereith, Tiroler Heimat 34, 1971, 99f.


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Dietrich Feil
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(C) Dietrich FEIL, Innsbruck/Arzl, 2002
 
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