>> START  >> Natur

GEOLOGIE

Panorama von Süden: ganz im Vordergrund die Geländekante des zum heutigen Talboden abfallenden Raines,
in der Mitte der Kalvarienberg, hinter dem das Dorf liegt, dahinter die Nordkette.

Arzl liegt am Südabhang der Innsbrucker Nordkette, eines Teils des Karwendelgebirges. Dieses ist seinerseits Teil der "Nördlichen Kalkalpen". Das - wie schon der Namen sagt - Kalkgestein dieses Teiles der Alpen besteht im wesentlichen aus Meeresablagerungen, die sich im "Erdmittelalter" gebildet haben. Durch die Nordwärtsbewegung der Apulischen Platte (etwa des südlichen Italiens) wurden diese Ablagerungen übereinander und in die Höhe geschoben, so daß sie heute vielfach aufgefaltet und gebrochen den nördlichen Teil des Alpenbogens bilden.

Grundlage des Gebirges sind kristalline Schiefer, über dem als tiefstes Glied der Schichtenfolge der "Alpine Buntsandstein" auftritt. Dieser tief- bis ziegelrote, tonhältige, feinkörnige Sandstein, der in einigen Bereichen (z.B. im Halltal) Schichten von Gips und Steinsalz enthält, dürfte als einzige Schicht nicht im Meer entstanden sein, denn die rote Farbe, die von der Oxydation von Brauneisenstein herrührt, bildet sich, wenn das ursprüngliche Material lange einem trocken-heißen Klima ausgesetzt ist. Von Arzl aus ist dieser rote Buntsandstein gut am Abhang der Rumer Spitze bei der "Roten Wand" zu sehen. (Daß er hier verhältnismäßig hoch oben und über jüngeren Gesteinsschichten liegt, erklärt sich daraus, daß im Zuge der sehr komplizierten Auffaltungsvorgänge zum Teil mehrere Schollen mit verschiedenen Schichten übereinandergeschoben worden sind.)

Über dem Buntsandstein folgt ein Kalkstein von dunklerer, meist braungrauer bis schwarzer Farbe, der von einem Gewirr feiner weißer Kalkspatadern durchzogen ist; es ist der sogenannte "Muschelkalk", der seinen Namen von den zahlreich vorhandenen, oft aber durch Faltungs- und Brechungsvorgänge stark gestörte Versteinerungen erhält.

Darüber folgt ein heller und fester Riffkalk, der "Wettersteinkalk", der bis zu 1500 m mächtige Schichten bildet und das Aussehen der Nordkette und des Bettelwurfs mit ihren hellgrauen kahlen Wänden wesentlich bestimmt. Versteinerungen sind hier selten.

(Bei ungestörter Schichtenfolge liegen darüber die "Raibler Schichten", gefolgt vom "Hauptdolomit", den "Kössener Schichten" und Liasgesteinen, die allerdings im Bereich der Nordkette nicht mehr auftreten.)

Dieses Gesteinsmaterial unterlag nach seiner Auffaltung (die freilich eigentlich immer noch nicht abgeschlossen ist) im Laufe der jüngeren Erdgeschichte, vor allem während der Eiszeiten, mannigfachen umgestaltenden Einflüssen. Für das heutige Landschaftsbild und für die Bodenbeschaffenheit besonders wichtig sind einerseits die Moränenbildungen der Eiszeiten, andererseits die Schuttanhäufungen der Zwischeneiszeiten, und schließlich die verschiedenen Talbildungen des Inns.

Das gewachsene Felsgestein tritt heute im Ortsbereich von Arzl nur im Bereich von Helfental- und Kalkofenweg an die Oberfläche, wobei hier der ehemalige Kalksteinbruch der Firma Josef Mayr die geologischen Verhältnisse noch klarer ans Tageslicht gebracht hat.

Von der Arzler Straße sind die Kalksteinfelsen am Helfentalweg (rechts) hinter dem Novapark (links) zu sehen.

Überall sonst verschwindet der Fels unter jüngeren Ablagerungen. Diese stammen im wesentlichen von Moränen der Eiszeiten und Schuttbildungen der Zwischeneiszeiten. Daß der Boden des Inntales ehemals wesentlich höher lag, zeigen die deutlich ausgeprägten Terrassen der Hungerburg und des Rechenhofes auf der nördlichen, die Mittelgebirge auf der südlichen Seite des Inntales an. Der Mühlauer Bach durchschneidet die Felsen und die angehäuften Schuttmassen, so daß sich in seiner Nähe die Fels- und Schuttschichtungen am deutlichsten beobachten lassen (am spektakulärsten im Bereich der Mühlauer Klamm).

Einschnitt des Mühlauer Baches auf dem Weg zur Mühlauer Klamm
bei der "Teehütte"

Eine bemerkenswerte Episode war die Bildung des Inntalsees in der letzten Zwischeneiszeit. Damals lag der Boden des Inntales bei Innsbruck tiefer als bei Wörgl, so daß sich im mittleren Inntal ein etwa von Jenbach bis Imst im Westen und Steinach im Süden reichender See bildete, in dem sich im Laufe der Zeit Schotter und Ton absetzten. Beide treten in Arzl an mehreren Stellen deutlich zu Tage, wobei der Ton besonders auffällt, weil er den Kern des Kalvarienberges bildet, der also keinen festen Felskern hat und deshalb von der Erosion besonders bedroht ist.

Abbruch am Südabhang des Kalvarienberges: da der Bewuchs in den letzten Jahren besonders stark gelitten hat, ist die Abbruchkante schon bedrohlich nahe an die Kapelle gerückt.
(Zustand im Februar 2002)
Der Abbruch am nördlichen Ende des Lehmweges zeigt die Schichtung der Tone, die auch den gegenüberliegenden Kalvarienberg bilden.

Der vom Fuß des Kalvarienberges mäßig abfallende, versumpfte Hang bricht schließlich mit einem ziemlich steilen Feldrain zum völlig flachen Gelände des heutigen Talbodens (auf der Höhe des Moserfeldbaches) ab. Dieses ehemalige Au-Gelände ist heute ganz trockengelegt und in seinem südlichen Teil (etwa südlich der Bahnlinie) weitestgehend verbaut.


Panorama von Osten: rechts der Abhang der Nordkette und die Mulde, in der das Dorf liegt, in der Mitte der Kalvarienberg, nach links der Geländeabfall zur Au.


Rohstoffabbau in Arzl

In der Vergangenheit wurden die im Arzler Bereich verfügbaren Rohstoffe (Kalkstein, Schotter und Lehm) an verschiedenen Stellen abgebaut.
 

Quelle: Sammlung Walter Preindl, Arzl
Ansicht von Südwesten: im Vordergrund die Haller Straße. 
Der untenstehende Ausschnitt zeigt die Schottergrube im Bereich des heutigen Nova-Parks, den Kalksteinbruch am Helfentalweg und darunter den Kalkofen, alles im schon recht stark verbauten Gelände.

 
Quelle: Stadtarchiv Innsbruck Ph-9373
Rohstoffabbau in Arzl: am linken Bildrand der Kalksteinbruch am Helfentalweg, in der Mitte die Lehmgrube am Schusterberg, darüber im Hintergrund die Schottergrube beim heutigen Schießstand

Zum Teil hat dieser Rohstoff-Abbau auch das Gelände stark verändert. Deutlich zu sehen sind solche Umformungen beim Vergleich alter Abbildungen mit der heutigen Geländegestalt im Bereich des Schießstandes, wo Schotter vor allem für den Bau des ersten Olympischen Dorfes abgebaut wurde.

Quelle: Sammlung Günter Löffler, Arzl
Die beiden Anfang der 1960er Jahre entstandenen Luftaufnahmen zeigen den Schotterabbau im Bereich des heutigen Schießstandes und das noch nahezu unverbaute Gelände über dem Finkenbergweg.


Haben Sie Anregungen, Hinweise, Korrekturvorschläge? Haben Sie Material (Photos, Dokumente, Überlieferungen...), das Sie zur Verfügung stellen wollen?
Bitte melden Sie sich!

Dietrich Feil
General-Feurstein-Straße 13
6020 Innsbruck/Arzl


(C) Dietrich FEIL, Innsbruck/Arzl, 2002
 
Diese Seiten werden auf einem Server der Universitaet Innsbruck gehostet und unterstehen diesen Richtlinien.