>> START  >> Natur  >> Zoologie

DIE AMEISENFAUNA DES ARZLER KALVARIENBERGES


Die vorliegende Zusammenstellung beruht zur Gänze auf:
Florian GLASER, 
Die Ameisenfauna des Arzler Kalvarienberges (Nordtirol):
Artenspektrum, Habitatbindung, Siedlungsdichte und Gefährdung,
Diplomarbeit Innsbruck 1997

Artenliste

Unterfamilie: Formicinae

Gattung: Lasius FABRICIUS

1. (Cauto)lasius flavus (FABRICIUS 1781)

Holarktisch; in Österreich in allen Bundesländern verbreitet. Anpassungsfähig, am häufigsten in mittelfeuchten bis feuchten Grasländern. Vorwiegend unterirdische Lebensweise.
Am Kalvarienberg die vierthäufigste Art (12% der gefundenen Nester).
Rückgängig in stickstoffüberdüngtem Dauergrünland.

2. (Chtono)lasius cf. distinguendus EMERY 1916

Europa bis 53° N, östlich bis Armenien. In Österreich verbreitet, für Nordtirol neu! Bevorzugt trocken-warme Gebiete, v.a. Trockenrasen.
Am Kalvarienberg nicht selten.
In Thüringen als potentiell gefährdet, in Sachsen als gefährdet eingestuft.(*)

3. (Chthono)lasius mixtus (NYLANDER 1846)

Europa; in Österreich in allen Bundesländern. Sozialparasiten in Nestern von Lasius (niger). Von allen Chthonolasiusarten am wenigsten wärmebedürftig.
Am Kalvarienberg nicht selten.
In Bayern als potentiell gefährdet eingestuft.

4. (Chthono)lasius umbratus (NYLANDER 1846)

Europa bis 62°N, in Südeuropa seltener; bis Westsibirien; in Österreich in allen Bundesländern. Sehr anpassungsfähiger Sozialparasit, v.a. bei Lasius niger.
Am Kalvarienberg nicht selten.
Keine Gefährdung.

5. (Dendro)lasius fulginosus (LATREILLE 1798)

Palaearktisch; in Österreich in allen Bundesländern. Kolonien als temporärer "Hypersozialparasit" bei Chthonolasius; bevorzugt Gehölzstandorte.
Am Kalvarienberg nicht häufig.
Keine Gefährdung.

6. Lasius brunneus (LATREILLE 1798)

Ganz Europa, östlich bis Iran und Pakistan, nördlich bis Schweden; in Österreich in allen Bundesländern. Baumbewohnend, eng an Laubgehölze gebunden, auch als Hausameise vorkommend.
Am Kalvarienberg nicht häufig.
Keine Gefährdung.

7. Lasius niger (LINNAEUS 1758)

Verbreitungszentrum Waldsteppenzone Osteuropas, Südsibiriens und der Mongolei; in Westeuropa und Nordafrika relativ selten, in Österreich in allen Bundesländern zu erwarten. In Mitteleuropa vor allem in gemäßigten Kulturlandhabitaten.
Am Kalvarienberg mit 17,8% der Gesamtnesterzahl die häufigste Art.
Keine Gefährdung.

8. Lasius paralienus SEIFERT 1992

Verbreitungszentrum Balkan, nördlich bis Schweden, südlich bis Anatolien; in Österreich bisher nur in Tirol und Kärnten nachgewiesen, aber wohl weiter verbreitet. Bevorzugt warm-trockenes Grasland und Felstrockenfluren mit kontinentalem Klima.
Am Kalvarienberg mit 17% der Gesamtnesterzahl die zweithäufigste Art.
In Sachsen-Anhalt und Sachsen stark, in Bayern potentiell gefährdet.

9. Lasius platythorax SEIFERT 1991

In weiten Teilen Europas; in Österreich in allen Bundesländern zu erwarten. Bevorzugt verschiedenste Waldhabitate und wenig von Menschen beeinflußte Feuchtgebiete.
Am Kalvarienberg mit 8,1% der Gesamtnesterzahl relativ häufig.
Anscheinend keine Gefährdung.

Gattung: Formica LINNAEUS

10. (Rapti)formica sanguinea LATREILLE 1798

Europa außer Irland, östlich bis Iran; in Österreich in allen Bundesländern. Sehr anpassungsfähig, meidet nur extrem feuchte und schattige Habitate. Räuberische Lebensweise.
Am Kalvarienberg nur eine tote Arbeiterin, aber in der Umgebung von Innsbruck weit verbreitet.
In Bayern als potentiell gefährdet eingestuft.

11. (Servi)formica cunicularia LATREILLE 1798

Palaearktisch; in Österreich in allen Bundesländern. Bevorzugt warm-trockene Lebensräume.
Am Kalvarienberg recht häufig.
In Deutschland als gefährdet eingestuft.

12. (Servi)formica fusca LINNAEUS 1758

Holarktisch; in Österreich in allen Bundesländern. Sehr anpassungsfähig mit Vorliebe für eher warm-trockene Gebiete; häufig auch im Siedlungsbereich.
Am Kalvarienberg nicht selten, nach Formica cunicularia die häufigste Formica-Art.
Keine Gefährdung.

13. (Servi)formica lefrancoisi BONDROIT 1918

Mitteleuropa (genaue Verbreitung in Abgrenzung zu den naheverwandten Arten F. cinerea und F. selysi nicht gesichert); in Österreich für Vorarlberg, Tirol und Kärnten sicher belegt. Bevorzugt sehr warm-trockene Lebensräume, nicht selten in Städten.
Am Kalvarienberg nicht häufig.
In Deutschland gefährdet.

14. (Servi)formica rufibarbis FABRICIUS 1793

Palaearktisch; in Österreich in allen Bundesländern. Bevorzugt deutlich warm-trockene Lebensräume.
Am Kalvarienberg eher selten.
In Deutschland stark gefährdet.

Unterfamilie: Dolichoderinae

Gattung: Dolichoderus LUND

15. Dolichoderus (= Hypoclinea) quadripunctatus (LINNAEUS 1767)

Süd- und Zentraleuropa bis Skndinavien; in Österreich überall außer Wien belegt. Wärmeliebende, baumbewohnende Art.
Am Kalvarienberg selten festgestellt.
In Deutschland (stark) gefährdet.
 

Gattung: Tapinoma FÖRSTER

16. Tapinoma ambiguum EMERY 1925

Mittel- und Südeuropa. In Österreich in Nordtirol und Kärnten gesichert, in anderen Bundesländern wahrscheinlich (Verwechslungsgefahr mit T. erraticum). Bevorzugt offene, warme Standorte.
Am Kalvarienberg selten.
In Deutschland gefährdet.
 

Unterfamilie: Myrmicinae

Gattung: Leptothorax MAYR

17. Leptothorax acervorum (FABRICIUS 1793)

In der gesamten Paläarktis mit gemäßigtem Klima; in Österreich in allen Bundesländern. Ökologisch sehr anpassungsfähig, in dichten Wäldern und reinem Grasland allerdings selten.
Am Kalvarienberg kaum vorhanden (nur eine Arbeiterin nachgewiesen).
Nicht gefährdet.

18. Leptothorax affinis MAYR 1855

Gemäßigte Zonen Mitteleuropas bis Turkestan; in Österreich in allen Bundesländern zu erwarten (Tirol, Salzburg, Ober- und Niederösterreich, Burgenland und Kärnten nachgewiesen). Wärmeliebende, baumbewohnende Flachlandart.
Wegen der Baumbewohnenden Lebensweise generell und auch am Kalvarienberg nur bei gezielter Suche nachweisbar.
In Ostdeutschland potentiell gefährdet.

19. Leptothorax interruptus SCHENCK 1855

In ganz Süd- und Mitteleuropa bis Südschweden, generell selten. In Österreich für Salzburg, Oberösterreich, Kärnten und Osttirol nachgewiesen, für Nordtirol erstmals am Kalvarienberg.
Sehr wärmeliebend mit versteckten Nistplätzen.
In Deutschland und der Schweiz stark gefährdet bzw. gefährdet.

20. Leptothorax nylanderi (FÖRSTER 1850) ssp. slavonicus SEIFERT 1995

Spanien bis Kaukasus, nördlich bis Südschweden. In Österreich in allen Bundesländern. In Laub- und Kieferngehölzen.
Am Kalvarienberg  nur in geringer Dichte.
In Bayern potentiell gefährdet.

21. Leptothorax tuberum (FABRICIUS 1775)

Spanien bis Kaukasus, Norditalien bis Zentralschweden; in Österreich in allen Bundesländern. Wärme und Trockenheit liebend bis alpin.
Am Kalvarienberg relativ selten.
In Deutschland fast überall gefährdet bis stark gefährdet, in Sachsen vom Aussterben bedroht. In Nordtirol anscheinend weite Verbreitung der Art.

22. Leptothorax unifasciatus (LATREILLE 1798)

Von Spanien bis Kaukasus und von Süditalien bis Südschweden weiverbreitete Art. Wärmeliebend auf verschiedensten offenen und gehölzbestandenen Flächen.
Am Kalvarienberg ein Nest in Grasfilz festgestellt.
In Ostdeutschland rückläufige Bestandsentwicklung, in Bayern gefährdet.

Gattung: Myrmecina CURTIS

23. Myrmecina graminicola (LATREILLE 1802)

Portugal bis Kaukasus, Nordafrika bis Schweden; in Österreich in allen Bundesländern, in Tirol selten gefunden. Flachlandart, v.a. in warmtrockenen Zonen mit und ohne Gehölz.
Am Kalvarienberg ein Nest in verbuschendem Halbtrockenrasen festgestellt.
In Bayern und Baden-Württemberg gefährdet, Sachsen stark gefährdet, in Sachsen-Anhalt und Thüringen potentiell gefährdet.
 

Gattung: Myrmica LATREILLE

24. Myrmica rubra (LINNAEUS 1758) (= laevinodis)

Portugal bis Ostsibirien, Italien bis Nordskandinavien; in Österreich in allen Bundesländern. Häufig auf Hochstaudenwiesen, Gehölzstandorten und Fettwiesen.
Am Kalvarienberg die fünfthäufigste Art; mittlere Nestdichte: 19,3 Nester auf 100 qm; häufig im Wettstreit mit M. ruginodis und im Untersuchungsgebiet dieser offenbar überlegen.
Nicht gefährdet.

25. Myrmica ruginodis NYLANDER 1846

Westeuropa bis Japan, Italien bis Nordkap; in Österreich in allen Bundesländern. Typische Waldart, die nur ab ca. 1000 mMH vermehrt im Offenland auftritt.
Am Kalvarienberg  mit nur 10 Nestfunden (1,6% der Gesamtnestzahl) eher selten; häufig im Wettstreit mit M. rubra und im Untersuchungsgebiet offenbar weitgehend von dieser verdrängt.
Nicht gefährdet.

26. Myrmica sabuleti MEINERT 1861

Europa von Südspanien bis Mittelskandinavien, Portugal bis Ural, vielleicht bis Ostsibirien; in Österreich in Kärnten, Nord- und Osttirol, Niederösterreich und Burgenland belegt, im gesamten Bundesgebiet zu erwarten. Meidet geschlossenen Wald, Feuchtstandorte, extreme Trockenheit und intensiv landwirtschaftlich genutzte Flächen.
Am Kalvarienberg mit 3,9% der Gesamtnesterzahl relativ selten; mittlere Nestdichte: 19,8 Nester auf 100 qm.
Auf den Roten listen gefährdeter Arten Bayerns und Gesamtdeutschlands; in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen mit rückläufigem Bestand.

27. Myrmica schencki EMERY 1894

Wahrscheinlich in der gesamten Paläarktis; in Österreich in allen Bundesländern zu erwarten (Nord- und Osttirol, Oberösterreich, Niederösterreich, Steiermark, Kärnten und Burgenland nachgewiesen). An warm-trockenen Standorten (Halbtrockenrasen, Waldränder, Wegböschungen u.dgl.). Reagiert empfindlich auf Überdüngung und damit einhergehende Vergrasung, meidet urabane Gebiete.
Am Kalvarienberg mit 0,67% sehr geringer Anteil an der Gesamtnestzahl.
Gefährdung wie M. sabuleti.

28. Myrmica scabrinodis NYLANDER 1846

Europa; in Österreich in allen Bundesländern. Offene Habitate frisch-trockener bis sehr nasser Ausprägung mit nicht zu stark entwickelter Krautschicht; meidet hochgrasige Wiesen, Hochstaudenfluren und Waldstandorte.
Am Kalvarienberg die häufigste Ameisenart (16,7% der Gesamtnestzahl); mittlere Nestdichte 47,2 Nester auf 100 qm.
In Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen auf der Roten Liste gefährdeter Arten.

Gattung: Tetramorium MAYR

29. Tetramorium caespitum (LINNAEUS 1785)

Holarktisch, Nordafrika bis Südschweden; in Österreich in allen Bundesländern. Bevorzugt offene, warm-trockene Lebensräume; sehr anpassungsfähig, bis ins Hochgebirge, auch in urbanen Lebensräumen.
Am Kalvarienberg eher selten: nur in 2 von 28 Probeflächen.
Keine Gefährdung.

30. Tetramorium cf. semilaeve ANDRE´ 1883

Mittelmeerraum, Kaukasus und Zentralasien. In Österreich sonst nur in Roppen aufgefunden(?). Bewohnt verschiedene Typen von Wald und Offenland.
Am Kalvarienberg nur eine Arbeiterin gefunden.
Gefährdung?
 

Gattung: Solenopsis WESTWOOD

31. Solenopsis fugax (LATREILLE 1798)

Spanien bis Ural, Italien bis Schweden; in Österreich in Ober- und Niederösterreich, Steiermark, Burgenland, Kärnten und Osttirol; in Nordtirol sonst nur einmal (Mühlau/Schweinsbrücke) nachgewiesen. Sehr trocken-wärmeliebend, vorzugsweise Kalk- und Sandtrockenrasen, auch Felstrockenfluren auf Silikat.
Am Kalvarienberg nur in 2 von 28 Probeflächen mit 0,8% der Gesamtnesterzahl.
In Deutschland gefährdet, in Sachsen-Anhalt und Thüringen stark gefährdet, in Sachsen vom Aussterben bedroht.
 

Gattung: Stenamma WESTWOOD

32. Stenamma debile (FÖRSTER 1850)

Spanien bis Kaukasus, Italien bis Südskandinavien; in Österreich in Nord- und Ostttirol, Salzburg, Ober- und Niederösterreich, Steiermark und Kärnten. Nicht zu nasse oder zu kalte Gehölzstandorte mit gut entwickelter Streuschicht bis in Parks und Stadtrandbereiche.
Am Kalvarienberg nur eine Arbeiterin aufgefunden.
In Deutschland stark gefährdet.


Haben Sie Anregungen, Hinweise, Korrekturvorschläge? Haben Sie Material (Photos, Dokumente, Überlieferungen...), das Sie zur Verfügung stellen wollen?
Bitte melden Sie sich!

Dietrich Feil
General-Feurstein-Straße 13
6020 Innsbruck/Arzl


(C) Dietrich FEIL, Innsbruck/Arzl, 2002

* Wenn hier nur die Gefährdung in einigen Teilen Deutschlands angegeben wird, so liegt das nicht daran, daß die jeweilige Art anderswo nicht bedroht wäre, sondern nur daran, daß der Grad der Gefährdung anderswo nicht erfaßt worden ist! (^)
Diese Seiten werden auf einem Server der Universitaet Innsbruck gehostet und unterstehen diesen Richtlinien.