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DER ORTSNAME
"ARZL"

In der älteren Literatur - z.B. in der Chronik des Lokalkaplans Hofer (Pfarrer in Arzl von 1839-1849) - findet sich immer wieder die Herleitung des Ortsnamens "Arzl" von "Erz": Die Arzler Kirche sei für Knappen errichtet worden, die in den nahegelegenen Teilen der Nordkette nach Erzen geschürft hätten, und der Ort, der sich um die Kirche gebildet habe, habe seinen Namen daher bekommen.

In der neueren Forschung findet diese Herleitung, die im Falle von Arzl nicht nur sprachgeschichtlich etwas Schwierigkeiten macht, sondern auch unter der Tatsache leidet, daß ein Erzbergbau im Arzler Bereich zu keiner Zeit nachzuweisen ist, keinen Anklang mehr.

Dagegen hat sich die Herleitung von lateinisch "arcella" weithin durchgesetzt. "Arcella" (Verkleinerungsform von "arx = Burg") hätte jedenfalls den Vorteil, daß es sich gut als Wurzel für die frühen Schreibungen des Dorfnamens (Arcella, Arcelle u.dgl.; vgl. die Urkunden) eignen würde. Es hat allerdings auch zwei Nachteile:
1. einen sprachgeschichtlichen: "arx" (und eventuell "arcella") sind klassisch lateinische Wörter, die den Übergang in das spätantik-mittelalterliche Romanische nicht mitzumachen, sondern außer Gebrauch zu geraten scheinen; der Ortsnamen müßte also in römischer Zeit entstanden sein;
2. einen archäologischen: in Arzl gab es auf den ersten Blick nichts, was als "(kleine) Burg" gedeutet werden könnte.

Da die älteren Vorstellungen von einer Burg auf dem Kalvarienberg ins Reich der Legenden zu gehören schienen, wurde als "Ersatzburg"  später die vorrömische Ansiedlung auf dem Scheibenbichl herangezogen. Daß diese als "Burg" bezeichnet worden sei, versuchte Hanns Bachmann 1963/64 durch Untersuchung der Flurnamen wahrscheinlich zu machen: etwa für den oberen Teil des Helfentales, der die Scheibenbichl-Terrasse von Finkenberg und Schönblick-Terrasse trennt, konnte er in älteren Quellen die Bezeichnung "Burggräben" nachweisen. Ganz unproblematisch war die Argumentation allerdings auch nicht, setzte sie doch voraus, daß zunächst die vorrömische Siedlung auf dem Scheibenbichl, für die sich in römischer Zeit keine Weiterbesiedlung nachweisen ließ, den lateinischen Namen "arcella" erhalten habe, der sich dann einerseits auf die doch etwas entfernt gelegene Siedlung Arzl übertragen habe, und auch, daß in nach-romanischen Zeiten die romanische Flurbezeichnung mit "Burggräben" eingedeutscht worden sei.

Andererseits wurde eine Herleitung "Arzl < argilla = Lehm" schon von Karl Finsterwalder und später von Irmtraut Heitmeier 2002 erwogen, von beiden aber letztendlich aus sprachgeschichtlichen Gründen verworfen.

Da zudem bei den Ausgrabungen des Jahres 2004 auf dem Kalvarienberg eindeutige Reste römischer Mauern festgestellt werden konnten, darf man wohl zur alten Auffassung zurückkehren, daß auf dem Kalvarienberg sich die römische "arcella" befunden habe, von der dann der Name auf den Ort überging.
 
 


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Dietrich Feil
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(C) Dietrich FEIL, Innsbruck/Arzl, 2002
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