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DER TATZLWURM IN DER
MÜHLAUER KLAMM


"Teehütte" in der Mühlauer Klamm
(auch dazu ein Gedicht)

"Eine leichte Viertelstunde ober der Brücke rauscht, von Buchen umrahmt, aus walddunkler Talrinne der Wasserfall des Wurmbaches nieder. Hier hauste in einem Felsenloch einst der "Murbl", ein gefürchteter Lindwurm, etwas über einen Schuh lang, äußerst giftig, einem Fatschenkind oder teilweise einer Katze ähnlich, mit wildbösem Blick und geschwollenem Bauch. Seine Nähe kündeten Haselblätter mit ausgefressenem rundem Loch in der Mitte. Jeder, der ihn sah, ist eiligst davongelaufen, wie es bei jedem echten Tatzlwurm üblich ist, daher bleibt sein Wesen unergründlich. So hatte so ein Tatzlwurm wohl nur eine Vergangenheit und nie eine Gegenwart.
Da bin ich einmal hinaufgestiegen, als die Julischwüle im Tale lastete und lag hier im Schatten... und auf einmal fing alles an zu reden... Eine komische Geschichte war´s, die ich da zu hören bekam. Es wird wohl ein Traum gewesen sein, er war aber sehr lehrreich, darum faßte ich ihn in Reime:

In der Mühlauer Klamm, in an grausligen Loch, hat a wiatiger Tatzlwurm ghaust
mit an Kopf von a Katz und an gschwollenen Bauch und an Furm, daß an Tuifl hat graust.
Wenn der di´ dersiecht, nacher hupft er di´ un
und in a Weil drauf hast koan Zwazler mehr ´tun.
Gott Vatter schaug vom Himmelsturm, beschütze vor dem Tatzlwurm
ins iaz und alli Zeit, die Mensch´n, Viech und Leit!

Der Tschefeler Much hat in Purnhof gheut und geaht in der Klamm über´n Bach,
heart pfeif´n und betet und fluacht und laft und der Wurm hupft hinter eahm nach.
Di löderni Hos´n, dö hat´n nix nix gnutzt,
der Wurm fangt un blas´n, in Much, den hat´s putzt.
Gott Vatter schaug vom Himmelsturm, beschütze vor dem Tatzlwurm
ins iaz und alli Zeit, die Mensch´n, Viech und Leit!

Der Mauggeler Hias hat a kotzngrobs Weib, dös geaht halt amal in die Klamm,
hat Tax´n wölln hol´n und Ströb für die Goaß. Jaz, Tazlwurm, iaz nimm di´z´samm!
Und in Wurm packt der Graus´n, verkriacht si´ins Loch,
hat´n neamd mehr gsöchn - ´s beasi Weib, das lebt noch!
Gott Vatter, schaug vom Himmelsturm, schick lieber uns an Tazlwurm
zur Not für Seal und Leib, nur grad koa beases Weib!

Wir wissen nun, warum es in der Mühlauer Klamm keinen bösen Tatzlwurm mehr gibt..."

Quelle:
J. Pöll, Stimmen der Heimat. Gesammelte heimatkundliche Tiroler Schriften (1940) 117 ff.


Mit etwas erweitertem Refrain wurde das Gedicht auch in Noten gesetzt:


Quelle: Tiroler Heimatblätter 18, 1940, 143 f.



Noch einiges zur Naturgeschichte des Tatzlwurms in der Mühlauer Klamm gibt es hier.


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Dietrich Feil
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6020 Innsbruck/Arzl


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