Überblick über Wert- und Gewichtsverhältnisse kaiserzeitlicher Münzen

Das römische Gewichtssystem

1 libra ("Pfund") = 12 unciae(= ca. 327 Gramm)
1 uncia ("Unze")= 24 scripula(= ca. 27,25 Gramm)
1 scripulum(= ca. 1,135 Gramm)

Das Münzsystem

Augusteische Zeit

Gold:
1 aureus (1/42 lb.)= 25 denarii= 100 sestertii
1 "Goldquinarius"= 12,5 denarii= 50 sestertii
Silber:
1 denarius (1/84 lb.)= 4 sestertii= 16 asses
1 (Silber-)quinarius= 2 sestertii= 8 asses
Orichalcum (Messing):
1 sestertius (1 unc.)= 2 dupondii= 4 asses
1 dupondius= 2 asses
Kupfer:
1 as (2/5 unc.)
1 semis= ½ as
1 quadrans=¼ as

Wertverhältnisse der Münzmetalle:
Gold : Silber= 1 : 12,5
Silber : Orichalcum= 1 : 28
Silber : Kupfer= 1 : 45
Orichalcum : Kupfer= ca. 5 : 8

Reform unter Nero (um 63)

Von verschiedenen Änderungen (z.B. auch Ausprägung der kleinen Nominale in Messing) hat nur die Gewichtsreduktion der Edelmetall-Prägung Bestand:
Gold:
1 aureus (1/45 lb.)= 25 denarii
Silber:
1 denarius (1/96 lb.)= 4 sestertii
Damit verschieben sich die Wertverhältnisse der Münzmetalle auf ca.:
Gold : Silber= 1 : 12
Silber : Orichalcum= 1 : 32
Silber : Kupfer= 1 : 51
Orichalcum : Kupfer= ca. 5 : 8

Ohne daß das Münzwesen reformiert worden wäre, kommt es in den folgenden Jahrzehnten zu gravierenden Änderungen v. a. beim Silbergehalt des Denars:
unter Traian (98-117)ca. 85% Silber
unter Marcus Aurelius (161-180)ca. 75% Silber
unter Septimius Severus (193-211)max. 60%, meist 30-50% Silber

Daneben sinkt ziemlich kontinuierlich das Gewicht der Münzen.

Reform unter Caracalla (214/15)

Ende 214/Anf. 215 wird die Goldprägung durch Herabsetzung des Aureus auf 1/50 libra und die Prägung eines Doppelaureus (Binio) reformiert und eine neue Münze, der sg. "Antoninian", eingeführt:
Gewicht:ca. 4,7 - 5,3 Gramm
Silber:75-90%
Wert:wohl 2 denarii

Das System stellt sich folgendermaßen dar:
Gold:
1 binio= 2 aurei
1 aureus= 25 denarii
1 "Goldquinar"= ½ aureus= 12,5 denarii
Silber:
1 "Antoninian"= 2 denarii= 8 sestertii
1 denarius= 4 sestertii
1 quinarius= ½ denarii= 2 sestertii
Kupfer:
1 sestertius= 2 dupondii= 4 asses
1 dupondius= 2 asses
1 as

In der ersten Prägeperiode von Caracalla bis Elagabal ist der Anteil an der Silberprägung relativ gering, von Severus Alexander bis 238 werden keine Antoniniane geprägt, ab Balbinus steigt der Anteil der Antoniniane an der Prägung laufend, gleichzeitig verringert sich der Silbergehalt dramatisch:
unter Gordianus III. (238-244)ca. 50% Silber
unter Philippus Arabs (244-249)ca. 30% Silber
unter Trebonianus Gallus (251-253)ca. 25% Silber

Unter Gallienus ist der Antoninian eine Kupfermünze mit geringer Silberauflage (max. ca. 5%).
Parallel zur Reduktion des Silberanteils - wenngleich in geringerem Maße - reduziert sich das Gewicht der Antoniniane von ca. 5 Gramm unter Balbinus auf ca. 2,6 Gramm unter Gallienus.
Die Goldprägung erleidet in dieser Zeit keine vergleichbaren Wertverluste, dafür sind die Gewichtsverhältnisse, v.a. in der valerianisch-gallienischen Zeit, sehr schwankend.
Die Kupfer- und Messingprägung verliert generell immer mehr an Bedeutung.

Reform unter Aurelian 271/72

Der Antoninian wird wieder schwerer (ca. 3,9 Gramm) und größer (ca. 20 mm Durchmesser), der Silberanteil bleibt bei ca. 3-4%, aber die Oberflächenversilberung wird besser.
Bei der Goldprägung, deren Bedeutung zunimmt, stabilisiert sich die Prägung von schweren Aurei mit ca. 8,25 Gramm und normalen Aurei mit 6,5 Gramm.
Die Kupfer- und Messingprägung nach alten Nominalen läuft allmählich aus.

Reform unter Diocletian (286-) 293/94

Ein erster Reformschritt scheint die Einführung eines neuen Aureus 286 gewesen zu sein, nach der Einführung von Argenteus und Follis 293/94 und der 301 erfolgten Aufwertung des Follis von 10 auf 20 denarii communes stellt sich das System so dar:
Gold:
1 aureus (1/60 lb.)= 25 argentei
Silber:
1 argenteus (1/96 lb.)= 5 oder 8 folles
Kupfer:
1 follis (ca. 1/32 lb.)= 20 denarii communes
"= 4 Teilfolles m. Strahlenkrone à5 denarii communes
"= 10 Teilfolles m. Lorbeerkranz à2 denarii communes
Der denarius communis wird als Einzelstück nicht mehr ausgeprägt!

Eine 1973 in Aphrodisias gefundene Inschrift legt ein Verhältnis von 1 argenteus = 5 folles nahe. Nach dieser Inschrift ist hier das Wertverhältnis der Teilfolles und des denarius communis zum Follis wiedergegeben.
Der Follis verliert in den folgenden Jahrzehnten stark an Gewicht (von ca. 10 Gramm bei der Einführung auf ca. 1,5 Gramm um 340).

Reform unter Constantinus (312/318)

Die Gold- und Silberprägung wird durch die Einführung neuer Einheiten 312 (Gold) bzw. 318 (Silber) umgestellt. Es ergibt sich:
Gold:
1 solidus (1/72 lb.)= 18 miliarensia= 24 siliquae
1 semissis (1/144 lb.)= 9 miliarensia= 12 siliquae
1 tremissis (1/216 lb.)= 6 miliarensia= 8 siliquae
Silber:
1 miliarense (1/72 lb)= 4/3 siliquae
1 siliqua (1/96 lb)= ¾ miliarensia

Das Verhältnis der gewichts- und legierungsmäßig ziemlich festen Edelmetallmünzen zum immer schwächer werdenden Follis dürfte kaum stabil gewesen sein.

Reform unter Constans und Constantius (ca. 346/48)

Die Goldprägung bleibt im wesentlichen unverändert, die Silberprägung ändert sich hinsichtlich des Wertverhältnisses der beiden Nominale, die Kupferprägung wird umgestellt:
Gold:
1 solidus= 12 miliarensia= 24 siliquae
Silber:
1 miliarense (1/72 lb.)= 2 siliquae
1 siliqua (1/144 lb.)= ½ miliarense
Die Nominale kommen auch in Unterteilungen vor.

Für die Kupferprägung ab 348 bzw. 354 treten als neue Münzbezeichnungen "pecunia maiorina" und "centenionalis" auf. Das Verhältnis dieser Münzen zueinander, die Frage von Verdoppelungen und Teilungen der Grundeinheiten und vor allem die Frage, welche Münzen der 2. Hälfte des 4. Jh.s wie zu benennen sind, sind im Einzelnen sehr umstritten. Daher hat sich eine künstliche Neueinteilung vor allem für die Bedürfnisse der Katalogisierung durchgesetzt:
AE 1ca.8-9 Grammca. 28 mm Durchmesser
AE 2 ca.4-5 Grammca. 22-25 mm Durchmesser
AE 3 ca.1,5-2,5 Grammca.15-18 mm Durchmesser
AE 4 um 1,15 Grammca. 8-12 mm Durchmesser


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