LOKALE PRÄGUNGEN DER KAISERZEIT

Neben der reichsrömischen Prägung der Kaiserzeit gab es bis zur diocletianischen Reform des Münzwesens in weiten Teilen des Reiches lokale Prägungen.
Von den verschiedenen deutsch- und fremdsprachigen Bezeichnungen für diese Prägungen, scheint der Sammelbegriff der "lokalen Prägungen" am treffendsten, weil er ohne Festlegung auf einen bestimmten Prägebereich (Griechenland, Kleinasien etc.) das monetäre Charakteristikum dieser Münzen, den im Unterschied zur Reichsprägung lokal eingeschränkten Umlaufs- und Geltungsbereich, am deutlichsten hervorhebt.
Als Zwischenstufe zwischen der Reichsprägung und den lokalen Prägungen im engeren Sinne könnten Münzsorten gelten, die ohne Bezug auf einen bestimmten Ort doch ihren eingeschränkten Geltungsbereich gehabt zu haben scheinen, z.B. die kleinasiatischen Cistophoren oder - in eingeschränkterem Maße - die für Ägypten insgesamt bestimmten alexandrinischen Prägungen.

In den westlichen Provinzen (Hispania, Gallia, Italia, Africa) waren solche Lokalprägungen unter Augustus und Tiberius relativ häufig, hörten aber schon unter Claudius auf. Sofern danach im Westen (außerhalb Roms) geprägt wurde, handelte es sich um Prägungen nach reichsrömischem System.
In den lateinischen Provinzen des Balkanbereiches (v.a. Moesia superior) kam es nur innerhalb eines verhältnismäßig kurzen Zeitraums etwa von Gordianus III. bis Gallienus zu einer reicheren Prägung (v.a. Viminacium, Provincia Dacia).
Das Schwergewicht der lokalen Prägetätigkeit lag durchwegs im griechischen Teil des Reiches, wo auf dem Höhepunkt in severischer Zeit Münzen von etwa 300 Städten belegt sind. Im Verlauf des späteren 3. Jh.s läßt die Aktivität parallel zum vermehrten Ausstoß der reichsrömischen Antoniniane geringer Qualität - und wohl dadurch bedingt - nach, so daß nach Gallienus nur noch Alexandria und einige Orte in Pisidien und Pamphylien in größerem Umfang prägen.

Allerdings ist auch für die früheren Zeit größter Prägeaktivität zu berücksichtigen, daß von manchen Städten nur so wenige (z.T. nur eine) Emissionen bekannt sind, daß eine kontinuierliche Prägetätigkeit auch nur zur Deckung des eigenen Kleingeldbedarfs ausgeschlossen scheint und eine Prägung nur zu bestimmten wichtigen Anlässen anzunehmen ist.
Dabei stellt sich die Frage, ob die Prägung tatsächlich am Ort erfolgte. Technische und stilistische Erwägungen scheinen häufig dagegen und für eine "Auftragsprägung" in größeren Münzstätten zu sprechen. Vor allem scheint in Rom selbst Lokalgeld für bestimmte Bereiche des Ostens (z.B. Kyrenaika, Zypern) geprägt worden zu sein.
Andere Orte, v.a. die großen Städte der kleinasiatischen und syrischen Küste, prägten dagegen anhaltend in großem Umfang. (Größe und Bedeutung eines Ortes läßt allerdings keine sicheren Rückschlüsse auf die Prägetätigkeit zu, z.B. spielt Palmyra trotz seiner Wichtigkeit keine Rolle.) Geprägt wurde fast ausschließlich Kupfer bzw. Bronze, die Silberprägung war - abgesehen von der Cistophorenprägung - auf Caesarea in Cappadocia und Antiochia am Orontes beschränkt.

Eine Sonderstellung nahm Alexandria ein: hier wurden in großem Umfang (mit einer deutlichen Abschwächung unter Septimius Severus und Caracalla) bis zur diocletianischen Reform Aes- und Billonmünzen für den lokalen ägyptischen Bedarf geprägt. Nach dem Fundbestand scheinen in Ägypten nur diese lokalen Münzen reguläre Zahlungsmittel gewesen zu sein, deren Gültigkeit aber auf Ägypten beschränkt war.

Im allgemeinen unterscheiden sich die Münzen des griechischen Ostens sowohl hinsichtlich des Münzfußes, der in der Regel älteren griechischen Vorbildern folgt, als auch hinsichtlich der Münzbilder und -legenden deutlich von den reichsrömischen. Auf dem Avers ist in den meisten Fällen der Kaiser bzw. eine Person aus dem Umkreis des Kaisers dargestellt. Dabei ist festzustellen, daß eine Reihe von Personen, die in der Reichsprägung nicht vorkommen, auf lokalen Prägungen aufscheinen (z.B. Antinoos auf Münzen diverser Städte, P. Quinctilius Varus auf Münzen aus Achulla etc.) bzw. daß Personen, die in der Reichsprägung nur selten auftreten, häufig abgebildet werden. Dazu kommen Bilder, die in etwas verschlüsselterer Form auf das Römische Reich verweisen, z.B. Darstellungen der Personifikation des römischen Senats.
Neben solchen reichsbezogenen Darstellungen gibt es bei den selteneren "pseudoautonomen" Prägungen (am häufigsten im Bereich ausgeprägten Kleingeldes) Aversdarstellungen ganz ohne Bezug auf reichsrömische Autoritäten (meist Köpfe von Göttern oder Stadtpersonifikationen).

Die Rückseitendarstellungen sind in der Regel stärker ortsbezogen und bieten ein außerordentlich reiches, vor allem für das religiöse Leben, für städtische Feste und Bauten aufschlußreiches Bildmaterial.
Bei Prägungen aus dem Osten des Reiches sind die Legenden sind meist in griechischer Schrift und Sprache abgefaßt (Eine Ausnahme bilden die coloniae, die meist lateinische Legenden verwenden (z.B. Korinth, Alexandria in der Troas, Antiochia und Cremna in Pisidien, Ninica Claudiopolis in Kilikien, Berytus, Sidon.) und bringen auf dem Avers in der Regel den Namen des Dargestellten und auf der Rückseite den Hinweis auf die prägende Stadt. Meist wird dabei nicht der eigentliche Stadtnamen, sondern das Ethnikon der Bewohner im Genitiv Plural verwendet.
Für die kaiserliche Titulatur werden die griechischen Übersetzungen verwendet; am häufigsten sind:

AUTOKRATOR IMPERATOR
KAISAR CAESAR
SEBASTOS AVGVSTVS
HYPATOS CONSVL
THEOS DIVVS
Die Namen werden etwa dem Lautbestand entsprechend transskribiert.

Bedingt durch den lokalen Geltungsbereich aller dieser Prägungen treten sie im Fundbestand der westlichen Provinzen des Reiches so gut wie überhaupt nicht auf.

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