Evaluation 1

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Monika Himsl
KtNr. 35014
BLZ:  36276
Raiba

Impressum:


 

Evaluation des  Internet-Workshops 1:

Die Innsbrucker Gemeinderatswahl 2006 im Internet

1) Vorwort

Im heißen Wahlkampf-Sommer 2005 beobachtete ich sehr interessiert die Wahlkämpfe zu den Landtagswahlen in drei österreichischen Bundesländern im Internet und beteiligte mich auch selbst aus der Ferne daran. Ausschlaggebend für ihr gesteigertes Interesse war der Skandal um den so genannten steirischen Wahlkampfknigge. Ein „übereifriger“ steirischer ÖVP-Funktionär hatte für die Schulung von Wahlkampfhelfern ein Seminar-Papier erstellt, das genaueste Instruktionen für einen Schmutzwahlkampf via Leserbriefe und Internet-Postings gab. Das Papier gelangte in die Hände der steirischen Grünen und wurde prompt im Internet publiziert. Das Medienecho war riesig und mein Interesse am Thema war so nachhaltig geweckt, dass ich in der weiteren Folge im Wintersemester 2005/2006 das Online-Seminar „Internet und Demokratie“ von Prof. Dr. Peter Filzmaier mit viel Gewinn absolvierte.

Noch während des Seminars entwickelte sich aus der fast täglichen Internet-Praxis und nach ersten sehr üblen Erfahrungen mit dem Internet-Politisieren das Projekt Pollitix (siehe Anhang A). Nach dem Seminar-Abschluss erreichte mich schließlich die Information zu den Aktionstagen Politische Bildung 2006 (16. April bis 5. Mai 2006). Ein Blick auf den Kalender zeigte mir, dass genau in dieser Zeit die Innsbrucker Gemeinderatswahl (23. April 2006) stattfinden würde und so kam  mir die Idee, meine im Internet und im Seminar gewonnenen Erkenntnisse meinen Innsbrucker Mitbürgern in Form eines zehnwöchigen Internet-Workshops im Rahmen der Aktionstage unter dem Motto „Demokratie lernen und leben“ zukommen zu lassen. 

Schnell wurde eine Unterseite auf meiner Homepage mit einigen grundsätzlichen Erklärungen und einem Zeitplan online gestellt und der erste Wochenblock zusammengestellt. Alles Weitere sollte sich workshop-mäßig im Laufe der nächsten zehn  Wochen aus der täglichen Internet-Praxis ergeben.

Die Ergebnisse nach Ablauf des Projektzeitraumes waren:

  • elf interessante Blöcke (siehe Anhang B),
  • unzählige Interaktionen in den verschiedensten Politik-Foren in Innsbruck,
  • das Konzept zu einem Folgeprojekt (siehe Anhang C)
  • sowie für mich als Workshop-Teilnehmerin eine unerwartete persönliche Veränderungen. Ich hätte mir nämlich zu Beginn nicht träumen lassen, welchen Partizipationsprozess ich selbst in infolge der intensiven Auseinandersetzung mit dem Thema durchlaufen würde. Mehr dazu unter dem Punkt Teilnehmende Beobachtung (Seite 10) in dieser Projektevaluation. Fazit: Das Internet kann dem Interessierten die politische Partizipation wesentlich erleichtern.

Monika Himsl

Mai 2006

2) Projektbeschreibung

Das Projekt Internet-Workshop zur Innsbrucker Gemeinderatswahl 2006 wurde als kostenloses und informelles Internet-Angebot der politischen Erwachsenenbildung konzipiert. Ein erster, viel kleinerer Versuch in diese Richtung wurde von der Projektleiterin bereits vor der Tiroler Landtagswahl 2003 für die SPÖ-Frauen des Bezirkes Imst angeboten.

Dieser zweite Versuch richtete sich konkret an die User einiger Diskussionsforen der Innsbrucker bzw. Tiroler Parteien und Medien, die die Projektleiterin bereits durch längerfristiges virtuelles Diskutieren kennen gelernt hatte und wurde ausschließlich in diesen verschiedenen Foren be­worben. Auf eine zusätzliche Werbung in Printmedien wurde diesmal bewusst verzichtet, wie auch auf einen strukturierten „Lehrplan“. Denn der Workshop sollte sich aus der Internetrecherche und der Diskussion in den verschie­denen Politikforen quasi „von selbst“ entwickeln.

Die Projektleiterin hatte dabei im Workshop eine Doppelrolle inne.

  • Einerseits erstellte sie das Konzept und die Websites mit den Wochenblöcken und schlug Aufgaben für die virtuellen Teilnehmer vor.

· Andererseits nahm sie selbst ebenfalls teil, das heißt sie durchlief die Aufgaben­stellungen, teils um ihre Durchführbarkeit und ihren Nutzen zu testen und teils um via „teilnehmende Beobachtung“ die politischen Partizipationsmöglichkeiten durch das Internet im Selbstversuch zu erforschen.

Projektzeitraum: zwölf Wochen

Vorbereitungs-Zeitraum: vom 5. bis 11. Februar wurde das Projekt definiert, der erste Wochenblock vorbereitet und die Homepage eingerichtet.

Durchführungs-Zeitraum des Workshops: 10 Wochen vor der Wahl: vom 12. Februar bis 22. April 2006

Nachbereitungs-Zeitraum: vom 23. bis 25. April wurde der Abschluss-Block erstellt und vom 26. April bis 21. Mai erfolgte die Nachbereitung und  die Evaluation.

Die Zeittafel:

Woche

Die Wochenblöcke

0)   5.2. - 11.2.

Vorbereitung

     1) 12.2. - 18.2.

Die letzte Wahl (2000) - Listen, Wahlergebnis, Gemeinderäte, Websites

2)  19.2. - 25.2.

Welche Listen stehen 2006 zur Wahl - Listen, Kandidaten, Websites

3)  26.2. -   4.3.

Die (neuen) Möglichkeiten des Internet-Wahlkampfes

4)    5.3. - 11.3.

Wo finden wir die Termine für die einzelnen Listenaktivitäten

5)  12.3. - 18.3.

Dirty-campaigning - die negativsten Seiten des Internet-Wahlkampfs

6)  19.3. - 25.3.

Sind die Kandidaten "reif"  für den Internet-Wahlkampf?

7)  26.3. -   1.4.

Wie gefallen die Slogans, Programme und Plakate im Internet?

8)    2.4. -   8.4.

Wahlkampfhilfe: aus dem Osten, von Oben und von den Medien!

9)    9.4. - 13.4.

Die Katzen sind nun aus dem Sack! 

10)  14.4. - 22.4.

Die finale Schlammschlacht ist  - DOCH NICHT ?!?! - eröffnet!

11)  23.4. - 25.4.

Wahlergebnisse, Zusammenfassung und Schlussfolgerungen

12) 26.4. – 21.5.

Evaluation

Ziele des Workshops:

Die Teilnehmer sollten

  • Informationen zur den Wahlen im Internet suchen und finden und sammeln (lernen)
  • Politische Kommunikationsformen im Internet kennen- und nutzen (lernen)
  • Partizipationsmöglichkeiten suchen und finden (lernen)
  • Nachhaltige eigene virtuelle Politik-Netzwerke aufbauen (lernen)

Teilnahme:
Über die Homepage, Anmeldung per Email war möglich aber nicht erforderlich. Einstieg jederzeit möglich.


Bewerbung:
nur in Internetforen.

Zum Projekt gab es seit 4. März auch ein Blog,

3) Dokumentation:

a) Inhalte der Wochenblöcke: (Volltext siehe Anhang B)

1. Block: Die letzte Wahl (2000) - Listen, Wahlergebnis, Gemeinderäte, Websites

Der erste Wochenblock am Beginn der zehnten Vorwahlwoche rief die Wahl­ergebnisse der letzten Innsbrucker Gemeinderatswahl (9. April 2000) in Erinnerung und lieferte Informationen und Links zum aktuellen Gemeinderat und den dort vertretenen Parteien, Listen und Mandataren.

2. Block: Welche Listen stehen 2006 zur Wahl - Listen, Kandidaten, Websites

Er enthielt die wichtigsten Links, Zahlen und Fakten zur bevorstehenden Wahl, sowie bereits die Websites der Listen, deren Kandidatur schon feststand,  sowie erste Einschätzungen über die weiteren Listen und Kandidaten.

3. Block: Die (neuen) Möglichkeiten des Internet-Wahlkampfes

In diesem Block gab es eine theoretische Einführung zum Thema Wahlkämpfe im Internet, mit Links und praktischen Beispielen. Auch wurde das Thema Interaktivität von politischen Websites bearbeitet und die Internetauftritte der bereits bekannten Listen auf ihre Interaktivität hin abgeklopft 

4. Block: Wo finden wir die Termine für die einzelnen Listenaktivitäten

Hier gab es eine theoretische Einführung zu Wahlkampf-Veranstaltungen und eine Linkliste mit Websites, in denen die verschiedenen Listen ihre Termine im Internet ankündigten, sowie eine kleine Linkliste zu Medien-Foren und zwei Web-Portalen, in denen man viele Informationen zu den Wahlen, Wahlwerbern und Kommentarmöglichkeiten fand.

5. Block: Dirty-campaigning - die negativsten Seiten des Internet-Wahlkampfs

Nachdem zur Zeit der Vorbereitung dieses Blocks gerade die Eintragefrist des FPÖ-Anti-Türkei-und-EU-Volksbegehrens lief und die Projektleiterin persönlich erneut in einem bundesweiten Diskussions-Forum massiven Angriffen eines Posters ausgesetzt war, thematisierte sie das Thema Negativ- and Dirty Campaigning im Innsbrucker Wahlkampf an dieser Stelle - auch unter Einbeziehung eines  persönlichen Beispiels.

6. Block: Sind die Kandidaten "reif"  für den Internet-Wahlkampf?

Da inzwischen auch die ersten speziellen Wahlkampf-Seiten der Innsbrucker Listen und Kandidaten im Internet aufgetaucht waren, wurden auch diese auf ihre Interaktivität hin untersucht und dabei auch auf ein spezielles Internet-Angebot in Deutschland hingewiesen, das die Wähler motiviert, mit ihren Bundestagskandidaten in interaktiven Kontakt zu treten. (www.kandidatenwatch.at). Die Anregung dazu stammte übrigens von einem Teilnehmer. Ein Partei-Funktionär schickte indessen einen Link zu einer Kandidatenseite mit der Bitte um Hinzufügung, was nicht zum ersten Mal signalisierte, dass auch politische Funktionäre Interesse am Internet-Workshop hatten.

7. Block: Wie gefallen die Slogans, Programme und Plakate im Internet?

Nun ging es allmählich ans Eingemachte: die Internetanbieter und die Listen entwickelten immer mehr Aktivitäten um ihre Produkte auch im Internet leicht auffindbar zu machen. Die Internet-Seiten der Listen wurden bunter und aussagekräftiger und die Interaktivität stieg merklich. Daneben stieg auch die Angriffigkeit gegenüber den Gegnern, einmal durch die Homepage der „bürgerlichen“  Initiative06, die erbittert gegen „Rotgrün“ Stimmung machte, zum anderen in den verschiedenen Foren, wo schon seit Wochen heftig politisiert wurde. Auch das wurde thematisiert und mit einigen zufälligen Beispielen dokumentiert.

8. Block: Wahlkampfhilfe: aus dem Osten, von Oben und von den Medien!

Ein Block musste natürlich auch den verschiedenen Wahlkampfhelfern gewidmet werden, sei es denen aus der Landes- und Bundespolitik, sei es den medialen. Hier wurden die sehr viel schlechteren Ausgangsbedingungen der kleineren Listen thematisiert: ein verglichen mit den mächtigsten Listen minimales Budget und kaum politische und mediale Unterstützung.

9. Block: Die Katzen sind nun aus dem Sack!

Nun standen die Listen endlich fest. Es hatte doch noch eine kleine Überraschung gegeben. Noch einmal gab es eine Linkliste mit den Websites der Listen, Kandidaten und der Interaktiven Möglichkeiten wie Wahltagebücher, Foren und Gästebüchern. Auch die Medien waren nun mit neuen Angeboten präsent. Der Intensivwahlkampf war auch in Internet angelaufen.

10. Block: Die finale Schlammschlacht ist  - DOCH NICHT?!?! - eröffnet!

In der Karwoche gab es dann auch noch einen handfesten Negativ-Campaigning-Skandal. Die Initiative06 stellte sich in der zweiten Vorwahlwoche durch eine Pressekonferenz der Öffentlichkeit vor und musste nach heftiger medialer Entrüstung der empörten Angegriffenen über die „Schmutzkampagne“ die diffamierenden Inhalte von der Website nehmen. Die der Urheberschaft verdächtigten Listen und Kandidaten (alle ÖVP) distanzierten sich eiligst. Ein Spitzenkandidat ließ um eine Veröffentlichung seiner entsprechenden Presseaussendung auf der Projekthomepage bitten, was nach der Osterpause auch gerne  geschah.

11. Block: Wahlergebnisse, Zusammenfassung und Schlussfolgerungen

Im letzten Block wurden dann Links zu den offiziellen Wahlergebnissen und eine kleine Analyse nachgeliefert, aber das Interesse der Community an der Wahl-Diskussion war merklich geschwunden und hatte heftigsten Koalitionsvermutungen Platz gemacht. Die Zusammensetzung der bereits zwei Wochen nach der Wahl angelobten neuen Stadtregierung wurde nachträglich noch hinzugefügt.

b) Der Projektablauf

Die eigentlichen zehn Wochenblöcke entwickelten sich wie beabsichtigt relativ organisch. Dabei ließ sich die Projektleiterin durch die Zeitungs- und Internetrecherchen und die Feedbacks (sowohl in Form von Antwort-Postings als auch durch eingehende Emails) inspirieren. In den insgesamt zwölf Wochen (einschließlich Vor- und Nachbereitungszeit) wurden dabei von der Projektleiterin mithilfe von sieben verschiedenen Interaktions­formen in durchschnittlich 25,5 Wochenstunden sowohl die für die Erstellung der zehn Wochenblöcke und des Abschlussblocks nötigen Informationen recherchiert und mit Teilnehmern des Workshops kommuniziert als auch mit der Methode der teilnehmenden Beobachtung versucht die eigene politische Partizipation im Projektzeitraum zu vertiefen und diesen Prozess zu beobachten. (Siehe Tabelle 1)

Internet-Workshop 1 - Innsbrucker Gemeinderatswahl 2006 - wochenweise

Zeitraum

Stunden

Emails

Telefon

Gespräch

Brief

Websites

Foren

Blog

Vorbereitung

18

7

0

0

0

7

27

0

Block 1

20

8

0

3

0

12

29

0

Block 2

20,5

4

0

5

0

6

32

0

Block 3

20,5

8

1

1

0

8

33

3

Block 4

26,75

16

0

0

0

11

43

5

Block 5

24,25

13

1

0

0

6

50

3

Block 6

34

14

1

9

2

8

50

7

Block 7

31

17

1

0

5

13

38

2

Block 8

27,5

16

2

5

0

7

36

1

Block 9

29,25

10

2

0

0

6

38

0

Block 10

26,5

14

4

13

3

4

43

1

Block 11

28

7

0

4

0

3

18

1

Summe

306,25

134

12

40

10

91

437

23

Durchschnitt

25,5

11,2

1,1

3,3

0,8

7,6

36,4

1,9

Tabelle 1: Der Zeitaufwand und die Interaktions-Aktivitäten im Rahmen des Projektes

In dieser Tabelle sind die Recherchen in den verwendeten reinen Printmedien (Tiroler Tageszeitung, NEUE Zeitung für Tirol, TIP und Stadtblatt, Profil) nicht enthalten, sondern nur die Recherchearbeiten im Internet, das Erstellen der Themenblöcke sowie die Kommunikation mit Parteien und Listen, PolitikerInnen und KandidatInnen sowie Teilnehmern des Workshops und Medienvertretern (auch anderen Onlineanbietern wie Innsbruck06 und Innsbruck im Zoom). Dabei liefen von den sieben Interaktionsformen nur vier ausschließlich über das Internet:

  • Email: gezählt mit je einer Nennung pro Tag wurden sowohl einzelne ausge­hende Emails als auch Emailwechsel infolge einzelner eingehender Emails.
  • Neu publizierte oder korrigierte Websites: die Korrekturen erfolgten entweder aufgrund einer neu recherchierten Information oder aufgrund eines Inputs eines Kommunikationspartners. Letzteres verlieh den an sich nicht interaktiven Websites eine interaktive Komponente
  • Foren: gezählt wurden nur die besuchten Foren nicht die zahlreichen gelesenen oder geschriebenen Postings oder Posting-Dialoge. Die Foren hatten auch bei der Bewerbung des Workshops eine tragende Bedeutung.
  • Blog-Einträge: Das Weblog wurde vor allem zur Dokumentation der Angriffe seitens eines Mitglieds im NEWS-Forums verwendet. Darin wurden die Reaktionen der Projektleiterin auf diese Untergriffe festgehalten. Links zu den einzelnen Blog-Einträgen wurden verschiedentlich auch in den Foren gepostet. Die Angriffe endeten nach Interaktionen mit einer der wahlwerbenden Listen

In der Tabelle 2 sind die persönlichen Interaktionen (Email, Telefonat, Gespräche und Brief) nach Adressaten-Kategorien unterteilt.

Persönliche Interaktionen nach Kategorien

Kategorie

Emails

Telefonate

Gespräche

Briefe

Aktionstage für politische Bildung

2

0

0

0

Wahlbehörde Innsbruck

0

2

3

1

Medien/Autoren

15

1

0

0

Ministerium

1

0

0

0

Parteien

102

9

37

9

privat

14

0

0

0

Summe

134

12

40

10

Tab. 2: Persönliche Kommunikation via Email, Telefon, Gespräch und Brief nach Kategorien

Dabei wurde ersichtlich, dass die weitaus meisten Interaktionen in allen vier Bereichen NICHT zwischen der Projektleiterin und ihrer eigentlich anvisierten Zielgruppe, den privaten Politikinteressierten erfolgten, sondern vorwiegend mit Listen-, Partei- oder Medienangehörigen bzw. -Büros. Dies war für die Projektleiterin überraschend, war das Angebot doch eigentlich für informations- und partizipations­suchende Wähler gedacht, die sich via Internet über die Parteienangebote informieren wollten. Darauf soll in der Evaluation näher eingegangen werden.

Neben den direkten persönlichen Interaktionen gab es auch die virtuellen Interaktionen im Internet, das heißt vor allem die Publikation und Korrektur der verschiedenen Wochenblöcke auf der Homepage, die Blog-Einträge und die Postings in den verschiedenen Foren.

  • Websites: Es gab eine Indexseite sowie 10 aktive Wochenblöcke und den Abschlussblock. 91-mal wurden Seiten ins Netz transferiert oder aktualisiert, korrigiert oder ergänzt, dabei wurden Anregungen, Ergänzungen oder Korrekturen durch Interaktionspartner oder Foren-Postings einbezogen.
  • Blog: anlässlich der dirty tricks mit denen Pollitix seitens zweier Poster im NEWS-Forum bedacht wurde, musste die Projektleiterin einmal mehr ein Webtagebuch anlegen, in dem diese Tricks in 23 Einträgen archiviert und Gegenmaß­nahmen beschreiben wurden. Es kam neben den „üblichen“ Beschimpfungen eines Posters erneut zum Datenmissbrauch eines anderen, der aber nach Schreiben an die „begünstigte“ Liste/Partei endete und diesmal auch beseitigt wurde. (die fingierten Gästebucheinträge auf der Homepage Asylconnection von Hermann Winkler wurden nun endlich gelöscht.)
  • Foren-Postings:  Das Internetworkshop fand vorwiegend in insgesamt fünf parteipolitischen Foren (Federspiel, FPÖ, SPÖ, Grüne, Linke), drei Gästebüchern (Seniorenverband, ÖVP und Grüne-Wahlkampfseite), zwei Innsbrucker Online-Portalen (Innsbruck06, Innsbruck im Zoom) sowie verschiedenen Medien-Foren (ORF-Online, Tiroler Tageszeitung-Online, Magazin NEWS, fallweise Kronenzeitung) und in der Schlussphase auch in den Kommentar-Features der  Weblogs der Spitzenkandidaten auf der Homepage der Tiroler Tageszeitung statt. In 437 gezählten Forenbesuchen wurden einerseits die einzelnen Wochenblöcke mit einem Link beworben und diskutiert, aber oft auch nur überprüft, ob es Reaktionen auf Postings gegeben hat und diese Reaktionen beantwortet. Gleich wie bei den Emails wurde jedes besuchte Forum nur mit einer täglichen Nennung gezählt, obwohl tatsächlich oft mehrere tägliche Besuche stattfanden, es entwickelten sich dabei gelegentlich richtige Dialoge. Durch die sich im Laufe des Workshops ständig intensivierende Partizipation der Projektleiterin kam es dabei auch zu vielen Interaktionen rein politischer Natur: die realen politischen Standpunkte der Diskutanten – einschließlich der teilnehmenden Projekt­leiterin wurden dabei lebhaft und natürlich parteilich diskutiert.

4) Evaluation

Das Projekt sollte einen rein explorativen und experimentellen Charakter haben und dabei der Beantwortung folgender Fragen dienen:

  • Kann mit einem solchen Workshop das Interesse an der politischen Kommunikation, Aktion und Partizipation im Internet auch in einem relativ kleinen lokalen Markt gesteigert werden?
  • Gelingt es damit die verschiedenen Politik- und Medienforen und Politik-Websites zu vernetzen?
  • Kann die Projektleiterin als politische Erwachsenenbildnerin mit einem solchen innovativen Angebot ihre potentielle Zielgruppe erreichen und Kontakte zu politisch Interessierten und ähnlichen Anbietern knüpfen?
  • Wie viel an „politischer Partizipation“ kann die teilnehmende Organisatorin im Rahmen dieses Projektes für sich selbst erreichen? (Selbstversuch)

Um diese Fragen beantworten  zu können, sollte zuerst eine Interaktionsanalyse vorgenommen werden. Danach wurde der persönliche Verlauf der politischen Partizipation der Projektleiterin in diesem Zeitraum geschildert, was einen Aufschluss über den Nutzen des Internets für Partizipationssuchende geben soll.

a) Die Interaktionsanalyse

Überraschenderweise waren es nur insgesamt vier Privatpersonen, die sich via Email und relativ am Anfang des Projektes mit verschiedenen Vorschlägen direkt an die Projektleiterin wandten. Je länger das Projekt jedoch andauerte, desto mehr Interak­tionen mit Parteizugehörigen ergaben sich. Die Tabelle 3 zeigt die Verteilung der Interaktionen auf diese größte Adressatengruppe.

Interaktionen mit Parteizugehörigen

Liste/Partei

Emails

Telefonate

Gespräche

Briefe

Personen

Bürgerliste Engelbrecht (1)

9

0

0

0

1

Freie Liste Rudi Federspiel (5)

0

0

6

0

5

FPÖ (5)

5

0

1

0

5

Für Innsbruck (2)

0

0

2

0

2

Grüne (8)

13

1

5

2

8

Innsbruck Links (11)

64

8

19

5

11

Neue Mitte (1)

0

0

1

0

1

ÖVP (3)

7

0

0

1

3

SPÖ (3)

1

0

3

1

3

Unabhängige Bürgerliste 1 (1)

3

0

0

0

1

Summe

102

9

37

9

40

Tab. 3: Die Interaktionen mit Parteizugehörigen überwogen überraschenderweise

Zu neun der insgesamt elf kandidierenden Listen gab es persönliche Interaktionen, sowie auch zu einer Listen, die letztlich aufgrund von zuwenig Unterstützungserklärungen nicht kandidieren konnte. Die Homepage einer Liste (Lefti) konnte aufgrund des Informationsmangels nicht in die Linkliste aufgenommen werden. Bei der Tabelle 3 fällt sofort ins Auge, dass die Interaktionen zu Angehörigen der Liste Innsbruck Links und der Grünen überwogen. Der Grund dafür ist in der sich im Rahmen des Projektes ergebenden politischen Partizipation der Projektleiterin zu suchen, die unter Punkt b) teilnehmende Beobachtung genauer analysiert wird.

Dabei ging die persönliche Kommunikation einerseits von den Listenmitgliedern aus, die sich etwa via Email zu den einzelnen Blöcken äußerten und Kritik, Lob, Korrekturen oder Ergänzungen einbrachten. Andrerseits nahm die Projektleiterin selbst  auch aktiv durch direkte Emailkontakte und Gespräche  sowie durch das Besuchen von Wahlveranstaltungen mit einigen Listen in Kontakt auf, um mehr Informationen über sie zu gewinnen. Sie wurde aber vor allem an letzterem durch drei fieberhafte Erkältungen im Projektzeitraum gehindert. Es konnten nur eine Veranstaltung der Liste Federspiel, zwei der Grünen, drei der Liste Innsbruck Links (eine davon gemeinsam mit der SPÖ und den Grünen) sowie einige Splitter des Straßenwahlkampfes (FPÖ, Für Innsbruck, Federspiel, Innsbruck Links) bzw. das Unterstützungserklärungssammeln der Liste Neue Mitte beobachtet werden. Dabei wurden auch Fotos gemacht, die in einzelne Workshop-Blöcke einflossen. Darüber hinaus wurde auch Kontakt zu Medien oder anderen Online-Portalen (Innsbruck 06 und Innsbruck im Zoom) gesucht, und dabei auch versucht sich zu verlinken, bzw. in diesen Portalen zu publizieren, was auch gelang, allerdings ausschließlich im Rahmen der politischen Partizipation bereits als Listen­sympathisant bzw. –Mitglied.

Die Interaktionen mit den Partei/Listenangehörigen zeigte deutlich: Das Interesse am Projekt war bei den Listen und Parteien wesentlich häufiger und aktiver artikuliert als bei den Privatpersonen.

b) Die teilnehmende Beobachtung: ein politischer Partizipationsprozess.

Ein wesentlicher Aspekt des Workshops war die Frage, ob das Internet dem politisch interessierten Individuum bei der politischen Partizipation behilflich sein kann. Um diese Frage zu beantworten, wählte die Projektleiterin die Methode der teilneh­menden Beobachtung und des Selbstversuchs.

Eine mögliche Definition von politischer Partizipation ist:

„Partizipation ist die reelle Chance, den Output (das Ergebnis) politischer Entscheidungsprozesse beeinflussen zu können.“ (Prof. Peter Filzmaier, Seminar: "Internet und Demokratie")

Eine andere Definition versteht darunter alle

jene Verhaltensweisen von Bürgern, die sie alleine oder mit anderen freiwillig mit dem Ziel unternehmen, Einfluss auf politische Entscheidungen zu nehmen“ (Barnes u.a. 1979: 42; Parry u.a. 1992: 16; Verba u.a. 1995: 38 – Zitiert in: Handwörterbuch des politischen Systems der Bundesrepublik _ online: [1])

Nach Uehlinge können fünf Arten der politischen Partizipation unterschieden werden:

(1)   Wählen,

(2)   parteienorientierte Partizipation (z.B. in einer Partei ein Amt innehaben),

(3)   problemorientierte Partizipation (z.B. Mitwirkung in einer Bürgerinitiative, bei einer genehmigten Demonstration),

(4)   ziviler Ungehorsam (z.B. Hausbesetzung) und

(5)   politische Gewalt gegen Personen und Sachen. (H.-M. Uehlinger (1988: 67-134, zitiert ebd.)

Im Rahmen dieses Wahlkampfes waren nur die ersten drei Kategorien dieses Schemas für das Thema der politischen Partizipation von Bedeutung. Die Frage war nun, inwieweit das Internet hierbei eine Hilfe darstellte. Das reine Wählen als Akt der Ausübung des Wahlrechtes ist in Österreich derzeit noch nicht via Internet möglich. Aber sowohl beim Wählen als Akt der politischen Willensbildung (also im Sinne eines Auswählens unter verschiedenen politischen Produkten und auch des Auswählens von Informationen über diese Produkte) als auch bei der partei- und problemorientierten Partizipation stellte sich das Internet im Selbstversuch als ein sehr geeignetes Medium heraus.

Im Allgemeinen erleichtert und ermöglicht das Internet die Partizipation mittels

·        gezielter Informationssuche über Listen- und Kandidaten-Websites

·        Internet-Feedback auf Webangeboten von Listen und Kandidaten

·        virtueller Diskussion in politischen Internetforen

·        eigener Internet-Angebote zur Motivation anderer Wähler, wie etwa eines Blogs oder eines Workshops (wie dieses).

·        direkter Kontaktaufnahmen und Diskussionen mit Listenvertretern bzw. Spitzenkandidaten via Internet

·        Mitarbeit am Wahlprogramm und im Wahlkampf via Internet

Am Ende des Selbstversuches hatte die Projektleiterin mit Hilfe des Internets zu ihrer eigenen Überaschung in einem sehr hohen Ausmaß partizipiert - und zwar völlig anders, als ursprünglich zu erwarten gewesen war.

Wie war nun die persönliche politische Ausganglage der realen Person hinter dem Avatar Pollitix unmittelbar vor Beginn des Workshops?

Die hochsemestrige Politikwissenschaftsstudentin (Werkstudentin, langjährige familienbedingte Studienunterbrechungen) war mehrere Jahre bis zum Februar des Vorjahres (2005) SPÖ Mitglied gewesen. Vor diesem SPÖ-Engagement hatte es bereits eine grüne Phase in Wien, Mieming, Innsbruck und Bensheim (Hessen, D) gegeben. Nach dem enttäuschten Austritt aus der SPÖ und nach der teilweisen Übersiedlung von einem Oberländer Dorf nach Innsbruck suchte sie eine neue politische Heimat. Dazu hatte sie schon seit längerer Zeit mit Tiroler und Innsbrucker GrünpolitikerInnen Kontakt aufgenommen und war im grünen Emailverteiler. Sie hatte sich in zwei Arbeitskreisen der Tiroler Grünen bereits umgesehen (nach ihren Interessen und dem Studienschwerpunkt im Bildungs- und im Integrationsarbeitkreis) und ihren (Wieder)-Einstieg bei den Grünen in der Zeit dieses Wahlkampfes fix  in Erwägung gezogen.

Der Entschluss, diesen Workshop anzubieten, um vor allem für sich selbst über die aktuellen poli­tischen Bedingungen in Innsbruck mehr zu erfahren, lockert diese inzwischen aufgebaute Bindung zu den Grünen zugunsten einer breiteren Objektivität. In der Beobachtung der Internetwahlkämpfe des vorange­gangenen Wahljahres (2005) hatte sie zudem auch ein latentes Interesse für die KPÖ und ihren zur Zeit populärsten Vertreter, den Grazer Ex-Wohnungs-Stadtrat und steirischen Neolandtagsabgeordneten Ernest Kaltenegger aufgebaut. Im Zuge der Recherchen zu den ersten zwei Wochenblöcken suchte sie daher auch Kontakt zu einer persönlich bekannten Innsbrucker KPÖ-Funktionärin, um sich über die Wahl­pläne der KPÖ zu informieren. Dies war die persönliche Ausgangssituation zu Beginn.

Welcher Partizipationsprozess fand dann in den folgenden 11 Wochen statt?

Ohne es zunächst zu bemerken, entwickelte die Studentin aufgrund eines persönlichen Kontaktes zeitgleich zur Lockerung der Bindung zu den Grünen eine Bindung zur KPÖ, die beschlossen hatte mit einem offenen linken Bündnis unter Einbeziehung von noch zwei weiteren Gruppierungen, einer MigrantInnen­organisation (ATIGF) und den „Linken“ sowie interessierten Einzel­personen zur Wahl anzutreten. Während sie am Beginn des Workshops noch vermehrt Kontakt zu den Grünen hielt und als Sympathisantin eine Partei-Veranstaltung besuchte und sich freiwillig zur Wahlbeisitzerin meldete, gab sie die Unterstützungserklärung bereits für die KPÖ bzw. das Bündnis Innsbruck Links ab. In stetiger Folge kam es dann zur deutlichen Intensivierung der Interaktionen mit Listenangehörigen, zu einer Internet-Wahlspende von Euro 100,- an die Liste Innsbruck Links, dann zum Besuch der Präsentations-Pressekonferenz der ersten sechs Kandidaten. Über diese Veran­staltung schrieb sie einen Bericht und publizierte ihn auf ihrer eigenen Homepage (nicht auf den Seiten des Internet-Workshops!) und auf den beiden Online-Portalen Innsbruck 06 und Innsbruck im Zoom. Dies geschah in der Folge noch zweimal zu zwei anderen Listenveranstaltungen. Sie stellte eine Kaltenegger-Karikatur, die sie bereits im Wahlsommer 2005 im Internet publiziert hatte, für den Wahlkampf zur Verfügung und fertigte auf Wunsch des Spitzenkandidaten Josef Stingl eine weitere ähnliche Karikatur zum Innsbrucker Wahlkampf an. Beide wurden in Publikationen verwendet. Schließlich wurde sie aufgrund ihrer Internet-Kompetenz gefragt, ob sie nicht auf der Liste kandidieren möchte und sagte zu. In der Folge beantragte sie auch noch den Parteibeitritt und lernte Ernest Kaltenegger im Zuge seines Wahlkampf-Unter­stützungs-Besuches persönlich kennen. Am Wahltag schließlich übte sie das Ehrenamt des Wahlbeisitzers aus - allerdings aufgrund der Nominierung durch die Grünen, was – wie die Nachfrage im Innsbrucker Wahlamt ergab - möglich war.

Welche Hilfe leistete das Internet in diesem Partizipationsprozess:

  • Willensbildung zur Wahl: im Zuge der Internetrecherchen, der politischen Email-Kommunikation mit Listen-Kandidaten und Forums-Diskussionen zur Erstellung der Wochenblöcke auf der Projektshomepage änderte sie ihre Parteipräferenz und wählte schließlich eine andere Liste als zu Projektbeginn vorherzusehen war, da ihr das Programm der linken Liste besser zusagte.
  • parteienorientierte Partizipation (z.B. in einer Partei ein Amt innehaben): durch die verschiedenen Internet-Interaktionen hatte sie sowohl ein allge­meines politisches Amt inne (Anmeldung zum freiwilligen Wahlbeisitz, diesmal für die Grünen in Innsbruck, zuvor hatte sie dieses Amt zweimal für die SPÖ in ihrem Dorf innegehabt) als auch einen Platz (Nummer sieben) auf der Liste auf dem amtlichen Stimmzettel (dazu wurde sie per Email vom Spitzen­kandidaten eingeladen).
  • problemorientierte Partizipation: Diese ergab sich hier infolge des Wahlprogramms. Die KPÖ-Innsbruck wollte vor allem mit dem Thema Wohnungspolitik bei den Wählern punkten und zu diesem Zwecke wurde auch der ehemalige und erfolgreiche Grazer KPÖ-Stadtrat Kaltenegger nach Innsbruck zu einer Diskussionsveranstaltung im Bierstindl eingeladen, um mit diesem Akt auf eine Initiative der steirischen KPÖ aufmerksam zu machen: Kommunen sollten freiwerdende Kasernen zum Zweck des sozialen Wohnbaus ankaufen (bundesweite Unterschriftenliste). Da auch in Innsbruck eine Kaserne aufgelassen würde war diese Veranstaltung eine problem­orientierte Aktion. Davon hatte sie wieder via Email erfahren und sowohl an der Pressekonferenz als auch an der Diskussionsveranstaltung teilgenommen und das Thema in Internet-Diskussionen publiziert.

Die persönlichen Interaktionen zu elf Personen der KPÖ bzw. der Liste Innsbruck und acht Personen der Grünen sind den folgenden Tabellen zu entnehmen:

Interaktionen mit der KPÖ und Liste Innsbruck Links  - 11 Personen

Liste/Partei

Emails

Telefonate

Gespräche

Briefe

KPÖ-Innsbruck

54

8

10

4

KPÖ

6

0

0

0

Ernest Kaltenegger

0

0

1

1

andere von Innsbruck Links

4

0

8

0

Summe

64

8

19

5

Prozent

67

8

20

5

 

Interaktionen mit den Grünen - 8 Personen

Liste/Partei

Emails

Telefonate

Gespräche

Briefe

Grüne

13

1

5

2

Prozent

62

5

24

10

Diese Tabellen zeigen schon rein quantitativ die Verschiebung und Intensivierung der Parteipräferenz im Zuge des Partizipationsprozesses und demonstrieren auch die große Rolle des Internets dabei: 67 Prozent der Interaktionen zur Liste Innsbruck Links und 62 Prozent zu den Grünen waren Emails (bzw. Emailwechsel).

Damit ist eindrücklich nachgewiesen, dass das Internet eine wesentliche Rolle bei der politischen Partizipation spielen kann. Und zwar zweifach: sowohl hinsichtlich der schnelleren und billigeren Kommunikation zwischen Parteien und potentiellen neuen Mitgliedern, als auch hinsichtlich der Tatsache, dass politikinteressierte Menschen mit Internetkom­petenz von manchen Parteien und Listen sehr gerne in ihre Reihen aufgenommen werden.

5) Schlussfolgerungen

Die Evaluation des Projektes sowie der eigenen Erfahrungen der Projektleiterin im Zuge der teilneh­menden Beobachtung lassen die eingangs gestellten Fragen folgendermaßen beantworten:

  • Ja, das Interesse an der politischen Kommunikation, Aktion und Partizipation im Internet kann mit einem solchen Workshop auch in einem relativ kleinen lokalen Markt gesteigert werden, wenn die geeigneten Foren vorhanden sind und ein Online-Angebot sie vernetzt. Dass ein Interesse am öffentlichen virtuellen Politisieren vorhanden ist zeigten einerseits die regen Diskussionen in den besuchten Foren, und hier vor allem im „virtuellen Stammtisch“ der Feien Liste Rudi Federspiel. Einige der Diskutanten nützten die Gelegenheit, in mehreren oder allen Foren regelmäßig zu diskutieren. Dass sie dabei durchaus auch auf die Angebote des Internet-Workshops zurückgriffen beweisen folgende Feedbacks danach

wollt mich hiermit noch recht herzlich (;-)) bei dir für deine homepage zur innsbruckwahl bedanken. auch wenn wir uns inhaltlich nicht immer eins waren, habe ich immer wieder gerne und mit gewinn auf deine seite zurückgegriffen. (25. April – Grünes Innsbruck-Forum)

 „meine Meinung Monika: Super!“ (27. April – News-Forum)

Ich finde die Idee ganz gut. Es gibt vor allem den jungen Menschen eine gute Gelegenheit, sich über die verschiedenen wahlwerbenden Parteien zu informieren und sich ein Bild zu machen. Das was ich etwas kritisiere, was auch von mir schon einmal erwähnt wurde, ist, das es manchmal politisch zu sehr auf eine bestimmte Richtung gelenkt war. Ich bin der Meinung, das so ein Internet-Workshop politisch neutral sein sollte und nur zur Information dienen sollte. Aber die Idee finde ich sehr gut. (27. April - FPÖ-Tirol-Forum)

Im letzten Feedback kommt das Problem der Abgrenzung zwischen Selbstversuch und teilnehmender Beobachtung und strenger Objektivität zur Sprache. Die strenge Objektivität wurde der subjektiven Stellungnahme in den Postings teilweise geopfert, um einen einsehbaren Partizipationsprozess „geschehen zu lassen“. Andrerseits war das Projekt eben gerade als freier Workshop eines politisch denkenden Individuums für sich selbst aber auch zum Nutzen anderer Interessierter gedacht, und erhob so per se eben nicht den Anspruch totaler Objektivität.

  • Ja, es gelang damit die verschiedenen Politik- und Medienforen und Politik-Websites mehr zu vernetzen, was vor allem von einigen wahlwerbenden Gruppen interessiert zur Kenntnis genommen und auch genützt wurde, indem sie in mancherlei Rückmeldungen Ergänzungen und Korrekturen lieferten. Sie suchten offensichtlich Vernetzung

 

  • Nein, die Projektleiterin konnte als politische Erwachsenenbildnerin mit einem solchen innovativen Angebot die angestrebte Zielgruppe der politisch Interessierten nicht im erwarteten Ausmaß erreichen. Dafür ergaben sich aber unerwartete Kontakte zu ähnlichen Anbietern und vor allem zu den wahlwerbenden Listen und Parteien. Daraus lässt sich schlussfolgern, dass das Interesse an vernetzenden Angeboten und Bildungsangeboten dieser Art derzeit noch auf der Seite der Anbieter politischer Produkte (Parteien) größer ist als auf der Seite der Nachfrager (Wähler).

 

  • Ja, das Internet kann die individuelle politische Partizipation erheblichen erleichtern und vereinfachen, sofern das grundsätzliche Interesse und die Bereitschaft, die nötige Zeit und Energie dazu aufzuwenden, vorhanden sind. Dieser im Projektzeitraum durchlaufene eigene „politische Partizipations­prozess“ war für die Projektleiterin das mit Abstand erstaunlichste Ergebnis.

 

Mit diesem Projekt wollte die Projektleiterin aber nicht nur diese vier Fragen beantworten. Es ging auch darum, den monetären Wert eines solchen Angebotes  für die Nutznießer zu ermitteln. Dazu wurde auf der Homepage darauf hingewiesen, dass es sich um ein Gratisangebot im Rahmen der Aktionstage Politische Bildung 2006 handelte, das jedoch für die Projektleiterin sehr wohl Kosten verursachte, weshalb sie um freiwillige Spenden ersuchte. Die Bankverbindung wurde angegeben und im 10. Wochenblock zum Abschluss noch einmal explizit darauf verwiesen.

Die überraschende Erkenntnis:

Es ging keine einzige Spende ein, obwohl von den 38 per Email interagierenden  Personen einige - teilweise sogar sehr vehement - Ergänzungen gefordert hatten und somit praktisch sogar Dienstleistungen als Selbstverständlichkeit eingefordert hatten. Aus dieser Erkenntnis ist zu folgern, dass eine künftige Finanzierung eines solchen Angebotes über „Kursbeiträge“ wohl auszuschließen ist.

Nach dem Abschluss dieses Workshops einschließlich der Evaluation bleibt nun nur noch eines übrig:

Den Mitdiskutanten für Interesse und ihre wertvollen Beiträge zu danken!

Vielen Dank auch an die NEUE - Zeitung für Tirol für den Gratisbezug im April!

 


 

[1] Andersen, Uwe/Wichard Woyke (Hg.): Handwörterbuch des politischen Systems der Bundesrepublik Deutschland. 5., aktual. Aufl. Opladen: Leske+Budrich 2003. Lizenzausgabe Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung 2003. Onlineversion auf : http://www.bpb.de/wissen/

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