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Pollitix-Internet-Workshop I: Demokratie
lernen und leben!
1)
Die letzte Wahl (2002) -
Parteien,
Wahlergebnis, Nationalräte, Websites
Im Herbst
2006 findet die österreichische Nationalratswahl statt. In
diesem ersten Block des Internet-Workshop wollen wir und die
Ausgangslage der Nationalratswahl vom 24. November 2002, das
Wahlergebnis und die derzeitige Zusammensetzung des Nationalrats
in Erinnerung rufen.
1) Die Ausgangslage vor der
vorgezogenen Neuwahl vom 24. November 2002
Diese Wahl war eine infolge von
FPÖ-internen Turbulenzen vorgezogene Neuwahl.
Die FPÖ war als in
der Opposition groß gewordene Partei in der Regierung in
eine vorhersehbare Krise
geschlittert. Ständig sinkende Umfragewerte sowie
innerparteiliche Differenzen ließen die FPÖ-Funktionäre immer
nervöser werden und veranlassten ca. 380 Delegierte der Partei
unter der Federführung des FPÖ-Volksanwaltes Ewald Stadler
zur Einberufung eines Sonderparteitages im steirischen
Knittelfeld. Schon die Ankündigung dieser Maßnahme führte zu
Rücktrittsdrohungen einiger FPÖ-Regierungsmitglieder und zu
heftigen Gegenreaktionen. Am Sonntag, dem 8. September 2002, kam
es tatsächlich zum Rücktritt von Vizekanzlerin Susanne
Riess-Passer, sowie von Finanzminister Karl-Heinz
Grasser und Klubobmann Peter Westenthaler. In den
darauf folgenden Wochen sollte dieses denkwürdige Ereignis als
„Knittelfelder Putsch“ die Medienberichte zur Innenpolitik
beherrschen.
Noch am selben Tag beschloss die ÖVP nach intensiven internen
Beratungen die Koalition mit der FPÖ nach zweieinhalb Jahren zu
beenden und somit Neuwahlen einzuleiten.
Die Wahl war von drei
Unterwahlkämpfen geprägt.
-
dem Kanzlerduell
zwischen Dr. Wolfgang Schüssel (ÖVP)
und Dr. Alfred Gusenbauer (SPÖ)
-
dem
"Lagerwahlkampf" zwischen dem regierenden
Schwarzblau
und dem oppositionellen Rotgrün
-
dem
Kampf um den dritten Platz zwischen
FPÖ
und den Grünen
Der Wahlkampf war - abgesehen von den
FPÖ-internen Machtkämpfen - vor allem von drei
Themen geprägt: den bevorstehenden Ankauf von Abfangjägern, der
Pensionsreform und der Bildungsreform. Die 2001 eingeführten
"Studiengebühren" aber auch andere unpopuläre Maßnahmen wie die
Ambulanzgebühren waren sowie die Universitätsreform und
die Forschungsförderung waren polarisierende Stichworte.
2) Das
Wahlergebnis und seine Interpretation
Am 24. November 2002 standen den
5.912.509 Wahlberechtigten insgesamt acht Parteien zur Wahl,
davon aber nur die ersten sechs bundesweit:
|
Gesamtergebnis
| Wahlberechtigte |
5.912.509 |
| Wahlbeteiligung |
84,27% |
| abgegebene
Stimmen |
4.982.253 |
| ungültige
Stimmen |
72.568 |
| gültige
Stimmen |
4.909.685 |
|
|
|
|
|
|
|
|
SPÖ
36,51 |
ÖVP
42,3
|
FPÖ
10,1 |
Grüne
9,47
|
LiF
0,98
|
sonst.
0,72 |
|
| Partei |
Stimmen |
Prozente |
Mandate |
| Sozialdemokratische
Partei Österreichs (SPÖ) |
1.792.499 |
36,51% |
69 |
| Freiheitliche Partei
Österreichs (FPÖ) |
491.328 |
10,01% |
18 |
| Österreichische
Volkspartei (ÖVP) |
2.076.831 |
42,30% |
79 |
| Die Grünen - Die
Grüne Alternative (GRÜNE) |
465.021 |
9,47% |
17 |
| Kommunistische Partei
Österreichs (KPÖ) |
27.567 |
0,56% |
|
| Die Liberalen
(Liberales Forum) - LIF |
48.085 |
0,98% |
|
| Die Demokraten |
2.439 |
0,05% |
|
| Christliche
Wählergemeinschaft (CWG) |
2.009 |
0,04% |
|
| Sozialistische Links
Partei (SLP) |
3.906 |
0,08% |
|
Wer waren nun die Gewinner
und die Verlieren. Das Wahlergebnis vom 24. November 2002 zeigte
tatsächlich einen ganz klaren Verlierer, die FPÖ, und
einen ganz klaren Gewinner, die ÖVP. Die Verluste der
vormals zweitstärksten Partei FPÖ kamen zum Großteil der ÖVP
zugute, die auch zugleich der unumstrittene Wahlsieger und die
neue Nummer Eins in der österreichischen Parteienlandschaft
geworden war. Schüssel hatte außerdem das Kanzlerduell klar für
sich entscheiden. SPÖ und Grüne verloren beide den Rangkampf um
den ersten bzw. dritten Platz.
Zum "Lagerwahlkampf":
SPÖ und Grüne verloren dieses gemeinsame Rennen
trotz realer Zugewinne. So gingen sie zwar als die zwei weiteren
Stimmen-Gewinner aus der Wahl hervor, die trotzdem als Verlierer
dargestellt wurden und die sich auch selbst als Verlierer
betrachten mussten. Sie waren Opfer der durch die laufend
veröffentlichten Meinungsumfragen viel zu hohen Erwartungen
geworden.
ABER: „Rot/Grün“ als
oppositionelles Lager und als in den ÖVP- und FPÖ-Kampagnen
heraufbeschworenes Feindbild war gegenüber der Wahl von 1999 in
summa um 5,43 Prozentpunkte gewachsen, während das
schwarz-blaue ehemalige Regierungslager um 1,51 Prozentpunkte
verringert wurde. Der Abstand zwischen den beiden
„wissenschaftlich inkorrekten“ Lagern verringerte sich somit
deutlich um 6,94 Prozentpunkte und 14 Mandate:
|
Partei |
Prozent |
Änd. |
Mandate |
Änd. |
|
|
2002 |
1999 |
|
2002 |
1999 |
|
|
FPÖ |
10,01% |
26,91% |
-16,90% |
18 |
52 |
-34 |
|
ÖVP |
42,30% |
26,91% |
15,39% |
79 |
52 |
27 |
|
Schwarz/Blau |
52,31% |
53,82% |
-1,51% |
97 |
104 |
-7 |
|
|
|
|
2002 |
1999 |
|
2002 |
1999 |
|
|
SPÖ |
36,51% |
33,15% |
3,36% |
69 |
65 |
4 |
|
Grüne |
9,47% |
7,40% |
2,07% |
17 |
14 |
3 |
|
Rot/Grün |
45,98% |
40,55% |
5,43% |
86 |
79 |
7 |
|
|
|
Abstand |
6,33% |
13,27% |
-6,94% |
11 |
25 |
-14 |
Tab. 3: Veränderungen
zwischen den beiden „Lagern“ von der Wahl 1999 zur Wahl 2002
Die zwei kleineren, auch
bundesweit angetretenen Parteien, das Liberale Forum und die
Kommunistische Partei, blieben unter der Ein-Prozent-Marke und
verfehlten den Einzug ins Parlament deutlich. Die vier wieder im
Parlament vertretenen Parteien punkteten diesmal vor allem bei
den ehemaligen Wählern des LIF, bei den Erstwählern und den
Nichtwählern, wobei die Wahlbeteiligung insgesamt um ca. vier
Prozentpunkte angestiegen war.
3) Die
derzeitige Zusammensetzung des Nationalrates
Im Parlament sitzen derzeit folgende 183
Nationalratsabgeordnete:
Quelle:
Parlamentshomepage
Aufgaben des ersten Monatsblocks:
Sehen Sie sich die Homepages der einzelnen Parteien an. Surfen sich sich
ein bisschen durch die Parlaments-Homepages beliebiger Nationalräte und
lesen Sie einige ihrer Parlamentsreden durch.
Haben Sie ihre Wahlversprechen gehalten?
Wenn Sie Fehler finden oder Anregungen für Ergänzungen
haben, dann schicken Sie mir, bitte eine Email:
pollitix@aon.at
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