|
2)
Welche Parteien stehen 2006 zur Wahl - Parteien, Kandidaten, Websites
Im zweiten Block des
Internet-Workshops wollen wir uns die Ausgangslage zur
Nationalratswahl 2006 und die vergangenen dreieinhalb
Jahre ansehen.
1) Die Ausgangslage am Vorabend der
Nationalratswahl 2006 und die
derzeitige Parteienlandschaft
Nach dem Absturz der FPÖ im Wahljahr 2002 und nach den über drei
Monate dauernden Regierungsverhandlungen, die wieder eine schwarzblaue Regierungskoalition zum
Ergebnis hatten, sahen viele Beobachter eine instabile Zeit
gekommen. Und sie hatten teilweise damit Recht. Der nunmehr
kleine Regierungspartner FPÖ sorgte mit Personalrochaden für
allerlei Turbulenzen. So musste schließlich Mag. Herbert Haupt
aus der Regierung ausscheiden und als Sozialminister der
Schwester des Kärntner Landeshauptmannes, Ursula Haubner Platz
machen. Zu einem innenpolitischen Erdbeben kam es am 4. April
2005,
in dem ein Teil der FPÖ unter Jörg Haider sich abspaltete und eine
neue Partei, das Bündnis Zukunft Österreich, BZÖ, die Orangen,
gründete. Am 23. April 2005 konstituierte sich die verbleibende
FPÖ unter dem Obmann Heinz-Christian Strache neu. Nach dieser
zweiten
Parteispaltung kam es im Parlament öfter zu
Konflikten zwischen den "blauen" und "orangen"
MandatarInnen, wobei vor allem der Streit um die
staatlichen Parteiförderungen tragische Bedeutung hatte.
Zur Erinnerung: Schon einmal war die FPÖ auseinander gebrochen:
Am 4. Februar 1993 treten fünf
FPÖ-Nationalratsmitgliedern um Heide Schmidt (Klara
Motter, Friedhelm Frischenschlager, Hans Helmut Moser und Thomas
Barmüller) aus der FPÖ aus und gründete wenige Tage später eine
eigene Partei, das Liberale Forum, da die FPÖ unter Jörg Haider
wichtige liberale Positionen verlassen habe (Nick/Pelinka,
1993). Das LiF war nur zwei Legislaturperioden im Nationalrat
vertreten. Im Jahr 2002 verfehlte es mit dem Spitzenkandidaten
Reinhard Jesionek den Wiedereinzug ins Parlament.
Das gerade einmal ein Jahr alte BZÖ sorgte in der
sensiblen Zeit der österreichischen EU-Ratspräsidentschaft durch
die lange Suche nach einem geeigneten Spitzenkandidaten für
erhebliche innenpolitische Unruhe. Am 22. Mai wurde vom
"erweiterte Bündnisteam" des BZÖ schließlich der ehemaligen
FPÖ-Klubobmann und im September 2002 zurückgetretene Ing.
Peter Westenthaler einstimmig gewählt, was zu erheblichen
innenpolitischen Turbulenzen führte.
Da das LiF die Kandidatur für den kommenden Wahlgang unter
der möglichen Spitzenkandidatin Karin Resetarits, einer
EU-Parlamentarien, ins Auge fasste, könnten somit insgesamt drei
Splittergruppen des "dritten" Lagers zur Wahl stehen.
Das christlichsoziale Lager wird mit zwei Gruppierungen
antreten: die ÖVP und die "ultrakonservative" Christliche Wählergemeinschaft (CWG).
Das sozialistische Lager mit SPÖ, KPÖ und
Sozialistische Linkspartei (SLP)
Und noch einige andere Kandidaten haben ihre Kandidatur
als Minipartei angekündigt, wie etwa der
EU-Parlamentarier Hans-Peter Martin oder Michael Sommer
(Initiative 2000). Freilich ist da zuerst die Hürde der 2600
Unterstützungserklärungen zu bewältigen. Hier eine Übersicht
über die Webangebote der Parteien und (potentiellen)
Spitzenkandidaten:
|
Parteien im Parlament |
|
ÖVP |
SPÖ |
Grüne |
FPÖ |
BZÖ |
|
Ihre Spitzenkandidaten im Internet |
|
Dr. Wolfgang Schüssel |
Dr. Alfred Gusenbauer |
Univ. Prof. Alexander van der Bellen |
Heinz-Christian Strache |
Ing.
Peter Westenthaler |
|
Nicht
im Parlament vertretene Parteien die wieder kandidieren |
|
KPÖ |
LiF |
|
Ihre Spitzenkandidaten im Internet |
|
Eigentlich sollte KPÖ-Spitzenkandidat
Mirko
Messner sein, aber die mächtige steirische
Landesorganisation will Franz Stephan Parteder, Entscheidung
fällt vermutlich am 1. Juli
|
LiF sucht Promi (Tiroler Tageszeitung vom 30 Mai 2006)
Karin Resetarits ist zwar seit Mai Mitglied
der österreichischen Liberalen, steht aber als
Spitzenkandidatin nicht zur Verfügung, wenn auch die
offizielle Homepage der Liberalen einen anderen Eindruck
macht. Interessant: sie hat bereits ein
Blog: der letzte Eintrag datiert allerdings mit
Strassburg, am 27. September 2005
Grenzfall Türkei |
|
"Miniparteien"
*
, die schon 2002 kandidierten |
|
Sozialistische Linkspartei (SLP) (will verstärkt
linke Basis-Gewerkschafter zum Andocken bewegen, Sonja Grusch)
Christliche Wählergemeinschaft (CWG)
(ultrakonservative pro Lebensschutz, Karl Angerer) |
|
Diskutierte und tatsächliche Neugründungen |
|
Karl-Heinz Grasser Partei
(nach ersten Mutmaßungen sehr unwahrscheinlich)
Hans Peter Martin Partei
(nach
"Vorab-Jubelchören" von Krone und NEWS (nach Presse) ) eher
wahrscheinlich
Initiative 2000 (eine
Initiative für Mütter und Kinder des Burgenländers
Michael Sommer. Frage: ist ihr Vorbild die
Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft von
Deutschland? Auf dieser Homepage ist jedenfalls von
einem Michael Sommer (DGB) die Rede...)
Zentrumspartei Austria Die ZPA wurde 2005 von Dr.
Helmut Bierbaumer gegründet und bietet "die einzige
Programm-Alternative zum "Rot-Schwarzen Block" |
* nach einem Artikel
in
Die
Presse, die in ihrer Onlineausgabe bereits jetzt viele interessante
Beiträge zur Wahl 2006 anbietet.
Diese derzeit bereits bestehende Parteien könnten
nach dem alten Lagerschema so zugeordnet werden
|
Die bisher bestehenden Wahlwerber
nach Lagern und Alter |
|
Christlichsoziales Lager |
Sozialdemokratisches Lager |
"drittes"
Lager |
| ÖVP |
SPÖ |
FPÖ |
| CWG |
KPÖ |
LiF |
| |
SLP |
BZÖ |
|
Grüne |
|
2) Das Internetangebot der Parteien
Selbstverständlich gibt es heutzutage keine Wahl mehr ohne einen
Wahlkampf-Internetauftritt der Parteien und vieler Kandidaten. Dabei
ersetzt nicht etwa die Internetschiene die altbewährten Wahlkampfmethoden
sondern ergänzt sie höchst effizient. Und längst können sich Parteien
nicht mehr mit dem reinen Ins-Netz-Stellen ihrer Hochglanz-Werbebroschüren
begnügen. Die Wähler sind auch hier anspruchsvoller geworden.
Interaktivität ist gefragt, und zwar sowohl von den Parteien als auch von
den Massen-Medien, die ebenfalls schon längst auf den
Internet-Wahlkampfzug aufspringen mussten.
Interaktivität meint hier, dass der Wähler nicht nur Informationen in
Internet sucht, sondern vermehrt auch Feedback- und
Kommunikationsmöglichkeiten sucht. Dabei geht es darum, möglichst
vielen Politikinteressierten möglichst interessante, informative und
unterhaltsame Angebote zum machen.
Prof. Peter Filzmaier beschreibt die Beweggründe der
Parteien und Medien zu den Internetangeboten in dem Buch
Demokratie auf amerikanisch (Plasser/Filzmaier, Wien, 2005)
im Kapitel: Internet-Revolution der Wahlkämpfe, 5.3.2.
Influentials und Online Political Citicens (OPCs) (S. 137)
so:
Abgesehen von standardisierten
Pressekontakten usw. muss es vor allem gelingen, unabhängige
Bürger mit intensivem Interesse für politische
Informationsangebote im Internet - online political citizens
(OPCs) - zu indentifizieren und gezielt anzusprechen. OPCs
sind nicht isolierte Cyberfreaks, sondern häufiger als
Durchschnittsbürger einflussreiche Meinungsführer, die Freunde,
Verwandte und Kollegen in ihrer politischen Meinungsbildung
beeinflussen.... Das Internet bietet eine hervorragende
Möglichkeit für politische Kandidaten ausgewählte Meinungsführer
zu erreichen. Diese Influencials sagen ihren Mitbürgern,
was sie kaufen und in ihrer Freizeit unternehmen sowie für wen
sie in einer Wahl stimmen sollen. Üblicherweise erfüllt einer
von zehn Amerikanern diese Influencial-Anforderung, doch
gilt sie für sieben von 10 der überdurchschnittlichen
Politikinteressierten unter den Internetusern. OPCs besuchen mit
sieben Mal größerer Wahrscheinlichkeit eine
Kampagnenveranstaltung, kontaktieren fünfmal wahrscheinlicher
Politiker und sind dreimal so wahrscheinlich einer politischen
Aktivistengruppe zugehörig...."
Entsprechend umfangreich ist deshalb auch das
Angebot an aktuellsten Nachrichten und politischen
Kommunikationsmöglichkeiten in den Online-Medien und auf den Parteiseiten:
Wer nun tatsächlich antreten wird, und mit welchem endgültigen Spitzenkandidaten, darüber halten
uns die Massenmedien mit ihren Internetportalen praktisch im Minutentakt
auf dem Laufenden:
Es gibt auch bereits eine erste permanente
Online-Sonntagsumfrage
auf NEWSWORLD.
Aufgaben des zweiten Monatsblocks:
Beobachten Sie die Massenmedien und ihre Internet-Foren.
Wie reagieren die User auf die Personaldebatten und
Parteigründungsgerüchte in den Foren? Sind in den Beiträgen die bereits
parteigebundenen und die noch freien Poster zu erkennen? Wird schon
Stimmung gemacht und über die Chancen der Parteien und Kandidaten
gerätselt? Sind die "berufsmäßigen" Wahlkampfposter schon in Stellung
gebracht? Sind schon die Wahlkampf-Strategien der Parteien zu erkennen?
Wenn Sie Fehler finden oder Anregungen für Ergänzungen
haben, dann schicken Sie mir, bitte eine Email:
pollitix@aon.at
|