Pollitix-Internet-Workshop 2

Block 3

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Aufgaben des dritten Blocks:

Wie ist das Wahlkampfthema "Ausländer" im Internet behandelt? Gibt es hier eine klare parteipolitische Zuordnungen der Poster? Sind schon erste Parteistrategien zu beobachten? Und wo werden die Aussagen der außerparlamentarischen Opposition erwähnt?

Wenn Sie besonders drastische Beispiele finden oder Anregungen für Ergänzungen haben, dann schicken Sie mir, bitte eine Email:

pollitix@aon.at

Impressum:

 

Schmutzkampagnen

Quelle: NEWS 16/06, Seite 31, "Schlammschlacht 2: Das plant die ÖVP"
www.schmutzkuebel.at
www.giftkueche.at
www.dirty-campaigning.at

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3) Ein Wahl-Thema, das polarisiert: die Ausländerfrage!

Im dritten  Block des Internet-Workshops wollen wir uns einem ersten Thema widmen, das schon vor den beiden letzten Urnengängen für Aufregung gesorgt hatte.

Im Wahlkampf zur Wiener Landtagswahl 2005 hat die neue alte FPÖ massiv mit der Antiausländer-Karte gespielt. Das Thema war aber traditionell von der Haider-FPÖ besetzt. Und Jörg Haider hatte in den drei Landtags-Wahlkämpfen des Jahres 2005 (Steiermark, Burgenland und Wien) große Probleme, sich hier hinsichtlich der bevorstehenden Nationalratswahl  zu positionieren. Zwar war sein BZÖ bemüht, der ÖVP ein seriöser Koalitionspartner zu sein, aber trotzdem konnte er dieses stimmenträchtige Thema nicht kampflos der neuen FPÖ unter seinem früheren Mentèe  Heinz Christian Strache  überlassen. So kam es zu einem Wettkampf um den ersten Platz bei der Ausländerfeindlichkeit, der mich im Jänner zu folgendem Polliticartoon inspirierte:

Es war schon unmittelbar nach der Wiener Wahl klar, dass die FPÖ im Nationalratswahlkampf keinesfalls auf die Themenführerschaft hinsichtlich der verschiedenen "Ausländerdebatten" verzichten würde, und das BZÖ hier zwangsläufig unterliegen würde, falls das Wiener Wahlergebnis einen bundesweiten Trend widerspiegelte (Die FPÖ hatte nur mehr 5,4 Prozentpunkte verloren und mit 14,9 Prozent die grünen überrundet ). In der Innsbrucker Wahl, versuchte die FPÖ einen ersten Test. Strache beehrte Tirol mit insgesamt vier Besuchen und wetterte gegen Minarette und Asylmissbrauch. Hier war aber eine nicht ganz so radikale Abspaltungsgruppe erfolgreicher (Freie Liste Rudi Federspiel erreichte 4, die FPÖ nur 2 Mandate), die allerdings nach der Wahl in zwei 2-Mandatsgruppen zerfiel: das blaue Lager ist in Innsbruck also durch die Ausländerhetze um ein Mandat gewachsen aber, hat durch die Zersplitterung zum zweiten mal den Stadtsenats-Sitz verspielt.

Allerdings führte der Innsbrucker FPÖ-Anti-Ausländer-Wahlkampf zu bedenklichen Nebenerscheinungen. So wurden im Innsbrucker Stadtteil Olympisches Dorf nach einem Strache-Wahlkampf-Auftritt aus der Türkei eingewanderte  Bewohner mit Hetzflugblättern in ihren Postkästen konfrontiert und schon achtjährige  Schulkinder in der Volksschule als Drogendealer bezeichnet. Zweieinhalb Wochen nach der Wahl sprach die Leiterin dieser Volkschule schließlich sogar ein Kopftuchverbot aus.

Die Tiroler Tageszeitung titelte am 11. Mai 2006:

Innsbrucker Schule verbietet Kopftuch

Streit um Kopftuch in der Schule

Eine Innsbrucker Direktorin erklärte ihren Schülern, dass sie "kein Kopftuch an ihrer Schule wünsche". Die Eltern laufen Sturm, die Politik beschwichtigt.

News berichtete bereits am selben Tag in der Onlineausgabe:

"Ausziehen, Ausziehen!": Muslimisches Mädchen darf mit Kopftuch nicht in Schule

Und in den ersten Kommentaren der Tiroler Tageszeitung war ersichtlich, dass hier die altbekannten Meinungen auftauchten. Auch bei den Politischen Reaktionen war sofort ersichtlich, wohin oder woher der Wind weht:

"Die FPÖ gratuliert in ihrer Presseaussendung der Schuldirektorin zu ihrem Mut. Mit Recht erkläre sie: "Wir stehen zur Religionsfreiheit, aber politische Tendenzen haben in einer Schule nichts verloren".

Wie waren die Positionen der kandidierenden Parteien zum Ausländerthema:

Kopftuchverbot an Innsbrucker Schule: erste Statements

ÖVP

SPÖ

 

FPÖ

   
Das Tragen von Kopftüchern durch muslimische Mädchen falle als religiös begründete Bekleidungsvorschrift unter den Schutz des österreichischen Staatsgrundgesetzes und der Menschenrechtskonvention.

Es gebe keine schulrechtlichen Bestimmungen, welche diese im Verfassungsrang stehende Bekleidungsvorschrift einschränken würden. (Landesschulratspräsident und ÖVP-Bildungslandesrat  LR Erwin Koler
"Die Würde und Eigenständigkeit der jungen Menschen sollte bei allen pädagogischen Bemühungen im Vordergrund stehen. Durch die Vorgangsweise der Schulleitung wurde eines der Mädchen völlig unnötig bloßgestellt", (Innsbrucker SP-Stadträtin Marie-Luise Pokorny-Reitter)
 
  Die FPÖ gratuliert hingegen in einer Presseaussendung der Schuldirektorin zu ihrem Mut. "Die Moslems selbst müssen sich überlegen, wie sie sich in Europa zu integrieren gedenken. Minarette und Kopftuch stellen sicher keine Ansatzlösungen dar. Es dürfen sich keine Parallelgesellschaften bilden“, (freiheitlichen Funktionäre Gerald Hauser und Richard Heis) ."Wir stehen zur Religionsfreiheit, aber politische Tendenzen haben in einer Schule nichts verloren" (Heiss und Hauser, FPÖ-Tirol)    

Nur wenige Tage nach dem Innsbrucker-Kopftuchstreit eröffnete die Innenministerin Liese Prokop  in der Tiroler Tageszeitung am 13. April 2006 die Ausländerdiskussion mit einem Kommentar zu einer von ihr Auftrag gegebenen und noch unter Verschluss gehaltenen Studie:

"Wer sich nicht integrieren will, hat bei uns nichts zu suchen."

Dieser Satz aus dem TT-Interview brachte ein vielfältiges Rauschen in Österreichs Blätterwals und NEWS-Online berichtete bald darauf:

"45 Prozent der in Österreich lebenden Moslems wollen sich laut einer Studie des Innenministeriums nicht integrieren. Als Gegenmaßnahme werde man den Dialog suchen und den Integrationsfonds massiv aufstocken, sagte dazu Innenministerin Prokop der Tiroler Tageszeitung. "Klar muss aber auch sein: Wer sich nicht integrieren will, hat bei uns nichts zu suchen".

Heinz Christian Strache antwortete umgehend mit einer Presseaussendung:

"Alle Warnungen der FPÖ würden sich bestätigen. Schnitzelverbot in Kindergärten, Minarette in Tirol, muslimische Väter, die von österreichischen Lehrerinnen verlangen, sich zu verschleiern, Soldaten, die der österreichischen Fahne den Rücken zuwenden - die Integrationsunwilligkeit vieler Moslems ist seit langem klar ersichtlich. Nur die Innenministerin ist davon überrascht." Quelle:

Wenige Tage  darauf wurde die Studie der Innenministerin dann präsentiert und dort wollte sich dann die Schlussfolgerung der Ministerin nicht unbedingt klar und eindeutig heraus-lesen lassen. Die Studie wurde alsbald heftig von der Opposition und von Sozialwissenschaftlern kritisiert. Das Thema indessen eroberte im Flug die Titelseite der folgenden Profilausgabe: Und Edith Meinhard begann ihre Coverstory so:

Die bösen Moslems

Integration. Bis vor Kurzem pflegt die ÖVP den respektvollen Dialog mit dem Islam. Dann änderte die Innenministerin den Tonfall. Plötzlich sind  die bösen Moslem ein Wahlkampfthema. (Profil 21/2006, 22. Mai 2006 Seite 17)

Meinhard meinte weiter: "Der Studienautor qualifizierte den Diskurs als "Angstdebatte".. und "Als Wahlkampfthemen eigenen sich Stereotypen und Zerrbilder allemal: ein gewaltbereiter Patriarch, der seine Frau entrechtet und Töchter unters Kopftuch zwingt; ein rückständiger Antidemokrat, der seine Söhne in Ehrenfehden hetzt, westliche Werte mit Inbrunst verachtet und nach dreißig Jahren im Land noch kaum Deutsch spricht; ein fanatischer Anhänger Allahs, der kein Freitagsgebet auslässt und unter dem Schutz der liberalen Gesellschaft an der Errichtung des Gottesstaates arbeitet. Laut einer Analyse von mediawatch im Auftrag des Innenministeriums mutierte das "Ausländerthema" zum "Moslemthema"...."

Hat damit die ÖVP einen Vorstoß in Richtung blaue Stammbindung gestartet? Ein eindeutiges Ja lässt die Reaktion Heinz Christian Straches vermuten. Unter dem Titel:

Moslem-Studie: Strache sieht "wahl-taktisches Getöse" von Ministerin Prokop schreibt NEWS-online:

"FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache sieht in den Aussagen von Innenministerin Liese Prokop (V), es gebe in Österreich 45 Prozent "nicht integrationswillige" Zuwanderer, "wahltaktisches Getöse". Allerdings sehe er seine eigene politische Linie durch die nun veröffentlichte Studie gestärkt. "Prokop hat auch mir bestätigt: Wer sich nicht integriert, hat hier nichts zu suchen", sagte Strache.

Damalige Positionen zur Ausländerfrage zeigt Annäherung der ÖVP an die FPÖ- Standpunkte.

 

ÖVP

 Bundesministerin Liese Prokop am 13. Mai gegenüber der TT:

Wer sich nicht integrieren will, hat bei uns nichts zu suchen!

FPÖ

Minuszuwanderung, keine Kopftücher in Schulen, keine Minarette, keine muslimischen  Frauenbadetage in Schwimmbädern

Die Situation veränderte sich aber mit dem Bekanntwerden der Kandidatur des ehemaligen Klubobmannes Ing. Peter Westenthaler für das BZÖ. Schon nach wenigen Tagen war klar:

Drei Parteien (ÖVP, FPÖ, BZÖ) würden im Ausländerfeindlichen Wählersegment auf Stimmenfang gehen, SPÖ und Grüne würden versuchen mit eigenen Konzepten und Hinweise auf das Regierungsversagen zu punkten,  was die Presse zu einer Diashow zum Thema Integration als Wahlkampfthema anregte: Positionen der nicht im Parlament vertretenen Parteien wurden nicht erwähnt.

Person Zitat

Ing. Peter Westenthaler

Ausländer sollen abgeschoben werden, wenn sie ein Jahr lang fast ununterbrochen arbeitslos und noch nicht aufenthaltsverfestigt sind.

Ich fordere einen absoluten Zuwanderungsstopp

Weder Van der Bellen noch Strache werden uns daran hindern, eine verantwortungsvolle Ausländerpolitik im Sinne 'Österreich zuerst!' umzusetzen

 

VK Hubert Grobach

Natürlich haben Illegale und Kriminelle im Land nichts verloren."

BZÖ-Chef Jörg Haider

Ein doppelbödiges Spiel in der Ausländerfrage. Prokop muss nur ihre Blockade aufgeben. Das gilt auch für ihr Ministerium, das nach wie vor keinerlei Bereitschaft zeigt, gemeinsam das Integrationsproblem anzugehen

 

Bündnissprecher Uwe Scheuch (BZÖ).

Es ist nicht unser Problem, wenn die Frau Innenminister ihre Arbeit nicht macht. Die BZÖ-Vorschläge liegen seit Monaten auf dem Tisch und müssen nur noch umgesetzt werden

Prof. Dr. Alexander Van der Bellen

Das ist ein Programm der ethnischen Säuberung und ein Deportationsprogramm, das an die 30er-Jahre erinnert (die Ausweisung von 300.000 Ausländern)

Terezija Stoisits

Uns geht es nicht um ein Mehr an Migration, sondern um das Wie der Migration. Das ist nicht ein Sozialprojekt für künftige Zuwanderer, sondern ein System, um die Bedürfnisse der Mehrheitsgesellschaft zu decken". (Punktesystem für Erwerbsmigration)

Prokop startet mit ihrer pauschalen Verdacht gegenüber Muslimen in Österreich den Anti-Ausländerwahlkampf und rückt damit die ÖVP noch weiter nach rechts

Integrations- und Menschenrechtssprecherin der Wiener Grünen, Alex Korun

Die Existenz von Moslems in Österreich als Zeitbombe zu bezeichnen, ist ein Schlag ins Gesicht dieser Bevölkerungsgruppe. Als österreichische Moslemin fühle ich mich von den Aussagen und Ausgrenzungsversuchen direkt angesprochen und betroffen

BK Dr. Wolfgang Schüssel

Es wurden fünf Diskussionskreise zu bestimmten Themenbereichen eingesetzt, um weitere Schritte im Integrationsdialog vorzubereiten.

 

Innenministerin Liese Prokop

Wer sich nicht integrieren will, der hat in Österreich auch nichts zu suchen

Wir müssen da schon sehr aufpassen, dass nicht irgendwann auch bei uns Ähnliches passiert wie zuletzt bei den Unruhen in Frankreich oder Berlin. Das ist eine Zeitbombe

Ich bin nicht korrekt zitiert worden. (...) Wir können niemanden hinauswerfen, der Österreicher ist. Wir müssen aber nicht jeden aufnehmen

Das ist Verhetzung (gegenüber Strache im NEWS-Duell)

SP-Bundesgeschäftsführer Norbert Darabos.

Noch nie zuvor hat es eine derart starke Zuwanderung gegeben wie unter der Regierung Schüssel seit 2000. Um die Integration dieser Menschen hat sich die Regierung aber nicht im Geringsten gekümmert

Prokop hat in unverantwortlicher Weise eine Studie uminterpretiert und damit im hochsensiblen Bereich der Integration für große Verunsicherung gesorgt

 

SP-Integrationssprecherin Elisabeth Hlavac

Es genügt nicht das friedliche Nebeneinander, das Ziel ist das friedliche Miteinander

FP-Chef Heinz-Christian Strache

Die Gastarbeitslosigkeit verursacht Kosten in der Höhe von einer halben Milliarde Euro jährlich. Das können wir uns schlicht und ergreifend nicht mehr leisten

Österreich muß sich entscheiden, ob es ein Sozialstaat oder ein Einwanderungsland mit brennenden Vorstädten sein will

Ich sehe alle Warnungen der FPÖ bestätigt. Schnitzelverbot in Kindergärten, Minarette in Tirol, muslimische Väter, die von österreichischen Lehrerinnen verlangen, sich zu verschleiern, Soldaten, die der österreichischen Fahne den Rücken zuwenden - die Integrationsunwilligkeit vieler Moslems ist seit langem klar ersichtlich

FP-Generalsekretär Herbert Kickl

Westenthaler ist einer der Hauptarchitekten der Rekordzuwanderung. Die FPÖ ist die einzige Partei, die sich gegen die Rekordzuwanderung und für die Interessen der Österreicher einsetzt.

 

EU-Abgeordneter Andreas Mölzer

Statt einer Massenzuwanderung aus der Dritten Welt kann das Überleben Europas in seiner geschichtlich gewachsenen, ethnischen Vielfalt nur durch eine pro-natalistische Politik, die die Förderung des Kinderreichtums der europäischen Völker in der traditionellen Familie bezweckt, sichergestellt werden

Wie sind aber die Positionen und Konzepte der außerparlamentarischen Parteien? Wird darüber auch berichtet?

Immerhin tröstlich ist die Existenz dieser Web-Initiative!


Aufgaben des dritten Blocks:

Wie ist das Wahlkampfthema "Ausländer" im Internet behandelt? Gibt es hier eine klare parteipolitische Zuordnungen der Poster? Sind schon erste Parteistrategien zu beobachten? Und wo werden die Aussagen der außerparlamentarischen Opposition erwähnt?

Wenn Sie besonders drastische Beispiele finden oder Anregungen für Ergänzungen haben, dann schicken Sie mir, bitte eine Email:

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